An Feiertagen richtig entspannen
Ostersonntag war es wieder Zeit eine neue Therme zu erkunden. Meine liebste Frisörin hatte mir die Albtherme in Waldbronn für den nächsten Thermen*Sternchen Blog vorgeschlagen. Mir war gar nicht bewusst, wie viele kleine Orte in unserer Gegend mit hochdekorierten Thermen geschmückt sind. An sich ist Waldbronn südlich von Karlsruhe mit dem Bus mehr oder weniger gut zu erreichen, aber das Auto gewinnt hier mit einem Drittel der Fahrtzeit ganz klar. Schnell hatten wir die Autobahn hinter uns gelassen und landeten in einem zugebauten Wohngebiet, voller Ein- und Mehrfamilienhäuser. Hier sollte irgendwo eine Therme sein? Und ja wirklich: Zwischen all diesen Häuschen war ein unauffälliger Flachbau, der ohne die große Säule glatt übersehen werden konnte. Neben einer Schnellparkzone gab es auch eine kostenlose Tiefgarage, in der unser Auto wohnen und brav auf uns warten konnte – toller Service!
Direkt vormittags wollten wir uns einen Eindruck der Therme verschaffen, also standen wir 9 Uhr in der schönsten Morgensonne parat. Im Vorfeld hatte ich mich über die Eintrittspreise informiert und die können sich sehen lassen. Auch eine Tageskarte ist für den kleinen Geldbeutel erschwinglich. Dann mal nichts wie rein in die Fluten!
Albtherme
Bergstr. 30
76337 Waldbronn
www.albtherme-waldbronn.de
Bitte achte beim Lesen darauf, dass ich hier mein persönliches Erlebnis als schlanke, weiße, able-bodied, nicht-binäre, maskulin/androgyn wirkende Person mit flacher Brust und Vulva schildere. Es handelt sich um meine Empfindungen, die von deinen abweichen können/werden. Auch ist das Erlebnis absolut vom Wochentag, der Tageszeit und den anwesenden Personen abhängig. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte mein Erlebnis vollkommen anders ausfallen können. Ich möchte hier meinen Eindruck vermitteln und eine Möglichkeit des Erlebens darlegen. Take it with a grain of salt.
Zu Gast im Vorstadtgarten
In dem kleinen Eingangsbereich wurden wir sehr nett aufgeklärt, wohin wir gehen mussten und wie das Saunasystem funktioniert: Alles etwas altbacken und verwunderlich. Wir erhielten eine Barcodekarte und ein Klebearmband aus Papier, wie man es von Konzerten kennt. Das Bändchen markierte die Erlaubnis, den Saunabereich zu betreten. Mit meinem kleinen gelben Leuchtbändchen kamen bei mir gleich Party-Vibes auf, wenn auch ich diese Methodik nur belächeln konnte. Speisen und Getränke mussten also händisch in der Therme bezahlt werden.
Deutschland liebt seine Umkleidekabinen als Leitsystem – so mussten wir auch in dieser Einrichtung durch eine Einzelumkleide hindurch, um zu den frei wählbaren Spinden zu gelangen. Immerhin gab es keine Geschlechtertrennung. Mit rollenden Augen entkleidete ich mich in der kleinen Kammer und kruschtelte meine Kleidung anschließend in den engen Spind.
Da wir auch den normalen Thermen-Bereich unter die Lupe nehmen wollten, hieß es nun Badebekleidung wählen. Ich entschied mich für einen Sportbikini. Leider geht der Hauptzugang für den Thermenbereich durch geschlechtsgetrennte Duschen. Seufz. Also separierte ich mich von meiner Begleitung und ging in die noch leere Damendusche. Die Temperaturregelung an der Dusche war sehr merkwürdig und ungenau. Für temperaturempfindliche Menschen wie mich kein Vergnügen, da ich es nie schaffte, eine angenehme durchgehende Wärme herzustellen.
Angekommen im Hauptbereich freute ich mich über das große, lange Becken, wo Schwimmlustige sicher gerne ihre Runden drehen. Das Nebenbecken mit seinem Whirlpool bietet durch den Ganzkörper-Schwebeeffekt sehr viel Entspannung. Ich habe es genossen, einen Moment leicht vor mich hin zu floaten. Es ist selten, dass der ganze Körper von Düsen hochgehoben werden kann. Das war wirklich schön.
Weiter ging es nach draußen in den kleinen, aber feinen Außenbereich. Hier wirkte es, als wären wir im Garten eines kleinen Einfamilien-Domizils, da wir komplett von kleinen Häuschen umgeben waren. Mir fehlte nur noch der Gartengrill und motzende Rentner:innen mit Kissen am Fenster. Wer diese heimische Atmosphäre genießt, fühlt sich hier sicher wohl. Für mich als Innenstadt-Wohnblock-Fanatiker oder Waldeinsamkeitsfan war es ein eher wunderliches Gefühl. Lange konnten wir uns hier nicht beschäftigen und zogen weiter zum Saunabereich.
Hellhörige Wellness
Der Wellnessbereich ist über mehrere Wege zugänglich und beinhaltet eine Essecke, wo mitgebrachte Speisen und Getränke verzehrt werden können. Das hat mich sehr gefreut. Auch einen hübschen Wasserspender konnten wir ausfindig machen. Im Allgemeinen lag da ein wirklich schöner Saunapark vor uns, mit hellen Tönen, hochwertigen Fliesen und tollen Designentscheidungen. Mich begeisterten die vielen kleinen Ruheräume und sogar einen Rederaum gab es! Das ist tatsächlich mal eine gute Idee. Wenn die anwesenden älteren Herren diesen Ort für Unterhaltungen genutzt hätten, wäre ja spitze. Nun ja 😉
Uns fiel auf, dass wir auch direkt in den Saunabereich hätten gehen können und der Weg durch die Duschen nur für den Thermenbereich nötig ist. Hier oben befanden sich ebenfalls Spinde und Duschen. Ich würde also auch in dieser Therme empfehlen, den Badebereich links liegen zu lassen und direkt die Saunalandschaft zu betreten. Duschen könnt ihr hier genderfrei. Toiletten sind leider getrennt.
Wir entschieden uns zuerst eine 50°C Sauna zu nutzen, die wunderbar duftete. Leider war diese so hellhörig, dass jedes Herumschlappen anwesender Personen sehr laut reflektiert wurde. Dies gilt für fast alle Orte im Hauptgebäude: Geräuschempfindliche Menschen werden hier nicht glücklich und nehmen besser Ohrstöpsel für die Ruheräume mit. Sehr zu empfehlen sind allerdings die Saunen im Garten, sowie das dazugehörige kleine Außenbecken. Dort zu verweilen fühlt sich nach der Hitzepackung richtig gut an. Definitiv mein Favorit. Besonders im Dunkeln wird es dort sicher sehr schön sein.
Auch hier war diese seltsame Kleingarten-Atmosphäre vorherrschend. Aus der “Panorama-Sauna” blickt man eher in die Gärten der umliegenden Häuschen. Im Vergleich mit großen Park- oder City-Ausblicken wie in der Rotherma (Gaggenau), Thermen & Badewelt Sinsheim oder der Claudius Therme (Köln) eher ein schwacher Trost und ein unverdienter Name. Aber mir geht es ja primär um die Gender-Feels und unser Wohlbefinden.
Geheimtipp
In einem der Ruheräume im gemischten Teil lag ein großer Outdoor-Sitzsack, den musste ich einfach für meine Entspannungsphase ausprobieren! Und es war…unglaublich. Wie ein flauschiges Eichhörnchen knuddelte ich mich in meinem Bademantel zusammen. Selten habe ich mich so wohl eingekuschelt gefühlt. Das war die entspannendste Ruhepause seit langem. Ich hätte gerne mehr solche Entspannungsmöglichkeiten in anderen Einrichtungen. Bitte liebe Thermen-Betreiber:innen, nehmt euch ein Beispiel daran.
Als nächstes probierten wir das Dampfbad aus, was mit Musik und einem wunderschönen Kristall ein toller Aufenthalt war. Unser letzter Saunagang war dann mit voller Besetzung. Die jüngeren Saunagäste waren aber doch etwas arg beschämt und bedeckten sich fast alle zügig. Ich hoffe, dass sie in Zukunft mehr Sicherheit gewinnen und freier mit ihren Körpern umgehen. So kann ich aber sagen, dass die Saunaetikette gut eingehalten wurde. Ich konnte bei den anwesenden Personen einen gewissen Gay-Dude-Vibe verspüren, aber keine queer-Vibes ausmachen, was ich etwas schade finde. Hier hat eher Unsicherheit gastiert, was aber sehr höflich macht.
Zum Abschluss haben wir dem Bistro einen Besuch abgestattet und waren überrascht, wie viele liebevolle vegane Speisen es gibt. Das Angebot bietet reichlich, vom kleinen bis zum großen Geldbeutel. Gönnt euch hier gerne etwas, da es wirklich lecker war.
Gut, auch ohne Herrensauna. Die Albtherme in Waldbronn.
Von außen macht die Albtherme in ihrem grauen Beton-Schick nicht viel her und die veralteten Eintrittsbändchen haben mich Schlimmes ahnen lassen. Beim Eintritt in den sehr übersichtlich gestalteten Thermenbereich konnte ich dann zum Glück aufatmen – alles besser als erwartet! Im Textilbereich gab es abgesehen von 2 bis 3 älteren Besuchern, die Kai anscheinend nicht zuordnen konnten, kein erhöhtes Interesse an uns. Das war wohl der gut gewählten Uhrzeit zu verdanken.
Der Saunabereich war für mich definitiv das Highlight des Besuches. Ich habe mich die ganze Zeit sehr wohl gefühlt. Das als erste Sparmaßnahme die Herrensauna geschlossen wurde fand ich sehr schade, da ich sie mir gerne angesehen hätte. Was die Saunabesucher angeht, lehne ich mich mal aus dem Fenster und vermute, dass mehrere der anwesenden Personen Swinger/Cruising Hintergrund hatten, kann mich da aber auch irren. Jedenfalls war hier mehr Interesse an Kai zu bemerken, aber nicht im negativen Sinne.
Als Fazit kann ich die Sauna durchaus empfehlen, keine negativen Erfahrungen gemacht und abgesehen von den sehr interessierten Blicken sonst auch nichts aufgefallen. Als Veganer habe ich mich natürlich auch sehr über die Auswahl im Bistro gefreut und empfehle einen Abstecher.
Schlussgedanken
Während meines Besuches waren eine Außensauna und die Herrensauna wegen Energiesparmaßnahmen geschlossen. Der Eisspender war leider kaputt und eine Lichtsauna ständig besetzt. So fehlen mir einige Objekte für die Bewertung.
Ich habe mich auch nicht damit wohlgefühlt, die Damensauna aufzusuchen, da es ein spezieller Schutzraum sein soll. Als nicht-binäre Person war es mir absolut unangenehm, etwas anderes als den gemischten Bereich für meinen Aufenthalt zu nutzen. Mein Gesicht wirkt sehr maskulin, ganz egal, ob ich nun eine Vulva habe oder nicht. Da möchte ich niemandem unangenehm sein oder gezwungen sein, meine Begleitung zurückzulassen. Ich finde es weiterhin schade, dass solche Schutzräume überhaupt nötig sind und möchte kommende Generationen dazu aufrufen, sich besser zu verhalten, sodass eine Trennung nicht notwendig ist.
Alles in allem habe ich mich in der Therme wohl gefühlt und konnte mich entspannen. Ich werde bestimmt wiederkommen, da die Massagen wirklich günstig sind und ich gerne prüfen möchte, ob sie trotzdem so hochwertig sind, wie die in Baden-Badens Luxustempeln.
Fazit: TL/DR
Ja, ich kann diese Therme für queere Personen empfehlen. Etwas für den kleinen Geldbeutel mit Schutzbereich für Frauen und Männer. Aber lasst den Textilbereich links liegen, der ist langweilig und geschlechtsgetrennt. WICHTIG: Nutzt den Sitzsack!
