Zwei Besuche, zwei völlig unterschiedliche Welten
Hallo liebe Leserschaft! Dieser Beitrag vereint gleich zwei Besuche in der Kurhessen Therme Kassel. Der Erste fand an einem regnerischen Freitag im Mai 2025 statt und der Zweite an einem Samstag im Dezember 2025. Zwei Erlebnisse, die unterschiedlicher nicht hätten sein können!
Aber fangen wir vorne an: Diese Therme ist sowohl mit dem Auto als auch der Straßenbahn bestens zu erreichen. In beiden Fällen haben wir uns mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf die Reise gemacht und vom Bahnhof Wilhelmshöhe ist es nur eine kurze Fahrt.
Kurhessen Therme
Wilhelmshöher Allee 361
34131 Kassel
www.kurhessen-therme.de
Nachdem wir einige Treppenstufen erklommen hatten, wurden wir von der wunderschönen Pagode begrüßt, die an einem Ort wie Mitteldeutschland richtig befremdlich wirkt. Aber hey – wenn man sich für ein Thema entscheidet, dann richtig 😉 Gehen wir rein.
Bitte achte beim Lesen darauf, dass ich hier mein persönliches Erlebnis als schlanke, weiße, able-bodied, nicht-binäre, maskulin/androgyn wirkende Person mit flacher Brust und Vulva schildere. Es handelt sich um meine Empfindungen, die von deinen abweichen können/werden. Auch ist das Erlebnis absolut vom Wochentag, der Tageszeit und den anwesenden Personen abhängig. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte mein Erlebnis vollkommen anders ausfallen können. Ich möchte hier meinen Eindruck vermitteln und eine Möglichkeit des Erlebens darlegen. Take it with a grain of salt.
Freundlicher Empfang – aber erste Hürden für Queers
Am Morgen des ersten Aufenthaltes musste ich schnell noch in die Kasseler Innenstadt düsen, da ich vergessen hatte, mir Badeschuhe einzupacken. Umso verblüffter war ich über die angemessenen Preise im Thermen-Shop. Ich hätte mir den Umweg in die Innenstadt also komplett sparen und dort Schuhe kaufen können. Das bin ich von den Bädern in meiner Umgebung leider nicht gewohnt.
Ein paar Schritte weiter gelangen wir an den freundlich besetzten Empfang. Die Tageskarte ist hochpreisig, aber die Website verspricht schließlich auch ein Komplettpaket der Entspannung, mit unzähligen Saunen, Dufterlebnissen und erholsamen Stunden im Wasser. Ob es sich lohnt, verrate ich euch natürlich später 😉
Wie bei meinen Fernreisen üblich, habe ich mir Handtücher geliehen und die Preise sind sehr human, die Rückgabe einfach gehalten. Ebenso simpel ist die Bedienung der leider sehr schmalen Spinde mit bequemen Armbändern. Die Umkleidebereiche erstrecken sich weitläufig bis ins Untergeschoss und wenn ihr es möchtet, könnt ihr euch in kleinen Abteilen umziehen. Auch hier setzt sich der natürliche Gestaltungsstil fort. So besteht der Boden aus Naturstein.
Hier gelange ich jedoch an meine erste Kritik: Um den bekleideten Badebereich zu betreten, muss eine von zwei gegenderten Duschen genutzt werden. Die jeweiligen Toiletten sind direkt angebaut. Wenn ihr also nur die Thermalwelt nutzen wollt, kommt ihr um eine Geschlechterzuordnung nicht herum.
Bei dem Mai-Ausflug waren Rabe (cis Frau) und ich allein. Nun waren wir aber mit unseren Partnerpersonen (cis Männer) unterwegs und mussten diese entsprechend alleine laufen lassen. Ich entschied mich bei beiden Besuchen, einen Sport-Bikini zu tragen und die “Frauenduschen” zu nutzen. Das wird mir später noch auf die Füße fallen.
Nach dem Duschen liegt der Thermenbereich vor uns.
Licht, Düfte und Thermalwasser
Beeindruckend gestaltet, herrlich duftend und lichtdurchflutet kommt dieser Ort daher. Der asiatische Stil ist liebevoll durchgezogen in jedem Detail. Dort gibt es einige Whirlpools, ein Therapiebecken und ein großes Becken zu entdecken, das sich bis nach draußen erstreckt. Es gab wohl auch eine Rutsche, diese war aber bei keinem unserer Thermentage zugänglich.
Beide Aufenthalte begannen wir im großen Becken und genossen die vielen Düsen, Wasserströmungen und das angenehme Gefühl des Thermalwassers. Der Außenbereich ist wirklich stimmungsvoll und ein Genuss, sowohl im Frühling als auch im Winter. Anschließend hieß es ein bisschen im Whirlpool aufwärmen und das Restaurant beobachten.
Lohnt sich der Eintritt allein für die Thermalwelt? Aus meiner Sicht nicht. Die Angebote sind zwar schön, jedoch nicht unterhaltsam genug, um sich lange zu beschäftigen. Aber das bleibt die generelle Kritik an den meisten Thermen. Die Caracalla und Rotherma machen es da nicht besser.
Zeit, sich die lästige Kleidung vom Leib zu reißen und in die Saunawelt einzutauchen.
Kurzurlaub in Asien
Als Thermen-Neuling hat es mir gut gefallen. Sich vor anderen zu entblößen gehört allgemein nicht zu meiner Wohlfühlzone. Deshalb bin ich grundsätzlich nicht vollständig entspannt, wenn ich eine öffentliche Therme besuche. Daher habe ich mich im bekleideten und sehr schön gestalteten Badebereich am wohlsten gefühlt.
Getrennte Duschen und Toiletten sind mir dadurch erst wirklich aufgefallen, da wir in einer gemischten Gruppe unterwegs waren. Ansonsten sind mir aber keine negativen Punkte ins Auge gespungen. Ich war mehr mit meinem eigenen „Nackt-Sein“ ausgelastet. Allerdings sind mir die großen und durchaus leckeren Portionen im Restaurant in Erinnerung geblieben 😀
Die Nacktheit hat zwar Überwindung gekostet, aber es hat sich gelohnt. Wer sich dieser Hürde stellen möchte, dem kann ich den Besuch auf jeden Fall empfehlen.
Die eigentliche Stärke der Anlage
Die Kurhessen Therme hat in Sachen Wellness zwei optisch deutlich voneinander abgetrennte Abschnitte: Die Saunawelt und die Traumwelt.
In der Saunawelt wird die gewohnte natürliche Optik von Stein und asiatischem Flair weiter durchgezogen. An diesem Ort erwarten uns etliche Saunen, ein fantastischer Schwimmbereich, sowie Bar- und Ruhezonen.
Die Traumwelt ist jedoch im Stil von 1001 Nacht gestaltet. Glatt und hell, voll mit Düften, Rundbögen und traditionellen Badeablauf ähnlich des Friedrichsbades. Dieser muss aber nicht eingehalten werden.
Starten wir mit der Saunawelt, aber fassen uns kurz, hier soll es ja eher um das queere Erlebnis gehen: Ich beginne mein Saunaerlebnis gerne mit einer Niedertemperatur-Sauna und so wurden diese ausgiebig getestet. Die im Rondell angebrachten Duschen sind angenehm zu nutzen und schnell von allen Seiten zu erreichen. Es gibt keine Trennungen, aber auch keinen Sichtschutz, das sei erwähnt, falls das für euch ein Thema ist.
Die Pause bis zur nächsten Sauna lässt sich gut im Außenbereich oder auf einer der Liegen verbringen. In Runde zwei haben sich die heißen Saunen auch nicht lumpen lassen. Die heizen schon ordentlich ein.
Und hier kommt mein Highlight: Der Außenbereich hat einen großen Wasserfall und einen langen Badebereich, ähnlich einem See mit Kaltwasser, in dem Schwimmen möglich ist. Für mich ist das die größte Wohltat der gesamten Anlage. Besonders im Winter, als ein leichter Regen auf uns hernieder prasselte, war es einfach großartig!
Bei dem Besuch am Samstag wurde jedoch auffällig, dass es Personalbetreuung brauchte, die mit wachen Augen auf einem nahegelegenen Felsen hockte. Die Anzahl von männlich gelesenen Personen, die sich mit “Orangensaft” in der PET-Flasche einigermaßen “erheitert” verhielt, war mit späterer Stunde richtig groß geworden. Dafür war keine Spur von weiblich gelesenen Personen mehr. Am Freitag im Frühling erlebten wir das krasse Gegenteil. Also: Aufpassen bei der Tageswahl!
Vom Gefühl her erntete ich den ein oder anderen verwunderten Blick an der Stelle, aber nichts großes. Ich fühlte mich also recht wohl. Offen queere Personen konnte ich bei keinem der Ausflüge erspähen.
Genuss und Geräuschkulisse
In der folgenden Pause hat es uns in beiden Fällen ins Restaurant verschlagen. Die Preise sind angemessen und die Portionen riesig. Wir haben uns also vorsorglich eine Portion geteilt, sonst hätten wir uns sicher überfressen.
Zum Ausruhen zogen wir uns in die abgedunkelten Höhlen zurück. Das ging beim ersten Besuch ganz wunderbar, jedoch am Samstag war es unerträglich laut, da sich andauernd Leute respektlos unterhielten, Schuhe quietschten oder Lichter an- und ausgemacht wurden. Machine (ADHS) wurde dadurch einigermaßen negativ getriggert. Ich würde euch also empfehlen, lieber woanders Ruhe zu suchen. Z. B. im Bereich der Traumwelt.
Ganz schön (laut)
Dies war mein erstes Mal in der Kurhessen Therme, aber bestimmt nicht das letzte. Begeistert hat mich der Badesee, in dem ich genüsslich schwimmen konnte. Sehr negativ ist jedoch die Lautstärke der Menschen im Ruhebereich hängen geblieben, wo es mir schwer fiel wieder in eine genießende Stimmung zu kommen.
Aus meiner Sicht wurden wir nicht mehr angestarrt als sonst auch, selbst wenn es zu wenig alternative Menschen gab. Ich kann die Therme weiterempfehlen 🙂
1001 Nacht Wellness
Die Traumwelt ist einer der optisch beeindruckendsten Orte, die ich je besucht habe. Besonders angetan hat es mir das Marmorbad, auf dessen Steinen ich mich wie ein kleines Schnitzel braten konnte. Diese warmen Liegeflächen sind Erholung pur. Besonders, wenn ihr eine zweite Person dabei habt, die öfter warmes Wasser unter euch durchlaufen lässt.
Zur Entspannung nutzen wir auch die kleinen abgetrennten Räume, in denen wir Klangschalen und erlesene Düfte genossen. Sie waren nicht aufdringlich für meine autistische Nase 😀 Das ist selten!
Für unseren ersten Besuch haben wir uns auch Massagen gegönnt. Diese konnten wir auch gleichzeitig als Paar buchen. Während Rabe richtig happy war, konnte ich mich leider gar nicht entspannen. Ich muss zugeben, dass der Masseur in Dresden schon ein Benchmark gesetzt hat, das bis heute unerreicht bleibt. Es liegt also ausschließlich an mir. Die Massage wurde absolut professionell durchgeführt. Irgendwann muss ich mal herausfinden, was er da mit mir gemacht hat 😉
Ähnlich wie im Friedrichsbad gab es verschiedene Becken, die in einer bestimmten Reihenfolge genutzt werden konnten. Dort verbrachten wir sehr viel Zeit und ich spürte zum ersten Mal, dass ich sehr eindeutig beobachtet wurde.
In der Nähe gibt es Toiletten in Form von Einzelkabinen, die wieder eine Geschlechtszuweisung haben. Warum kann ich mir nicht erklären. Also könnt ihr in dieser Wellnessanlage leider keine neutrale Toilette vorfinden. Schade.
Das Dampfbad musste auch getestet werden: Es fiel hier auf, dass kontrolliert wurde, ob wir uns auch benehmen. Offenbar scheint das bei Gruppen notwendig zu sein?
⚠️ Hier wieder der Appell von mir an alle Badegäste ⚠️
Erotik hat in der Therme und Sauna keinen Platz. Es gibt Clubs für solche Wünsche. Bitte geht doch einfach dorthin und versaut uns nicht alles. Und ja, ich sehe was ihr so bei Suchmaschinen eingegeben habt und wie ihr dann auf meinem Blog gelandet seid. Macht das doch einfach nicht 😉 Besonders in Sachen Therme Euskirchen ist das ein echtes Problem.
Zum Schluss wird es noch einmal persönlich
Bei beiden Besuchen konnten wir viel Zeit an diesem Ort verbringen. Definitiv gut in Sachen Preis-Leistung. Für den kleinen Hunger holten wir uns noch eine Brezel an der Bar. Langsam ging mir jedoch das Wasser aus. Ich würde mir wirklich kostenlose Wasserspender in allen Thermen wünschen.
Nun hieß es die finale Dusche wählen und sich mit Duschgel reinigen. Beim Dezember-Besuch wählten wir die Dusche in der Thermalwelt. Hier merkte ich die ablehnende Haltung einiger weiblich gelesener Personen mir gegenüber sehr stark. Eine Mutter verließ mit ihrem Kind direkt wieder die Dusche. Uff.
Also wollte ich diese Dusche für den zweiten Besuch unbedingt vermeiden. Wir wanderten noch etwas durch die Anlage und wurden fündig: Es gibt noch eine Dusche im Saunabereich bei der Bar. Einigermaßen versteckt in einem Gang. Diese Dusche ist leider auch geschlechtszugewiesen, aber was soll’s? Diese Dusche ist vom Aufbau nicht anders, aber in Summe sind Sauna-Menschen einfach gechillter.
Ich wollte mich lieber nicht in den Duschhäuschen bei den Traumwelt-Becken reinigen, auch wenn es nicht explizit verboten war.
Dieses Mal hatte ich keine Probleme. Eine Person fragte sogar nach Duschgel, das ich gerne teilte, Rabe gab das Curly-Girl Shampoo weiter 😀
Asiatisches Entspannungsflair
Optisch ist die Kurhessen Therme ein Vergnügen. Den Badebereich habe ich als angenehm empfunden und in der Sauna habe ich mich wohl gefühlt. Die üblichen Probleme bleiben hier leider nicht aus: Kleine Umkleiden, getrennte Duschen und Toiletten. Es gab zwar auch Familienumkleiden, aber ich bevorzuge die komplett offenen Bereiche. Ein bisschen Bewegungsfreiraum macht das Erlebnis einfach entspannter.
Blicke haben wir auch auf uns gezogen. Und das unabhängig vom Bereich. Ob Sauna, bekleideter Badebereich oder Restaurant. allerdings dezenter und weniger aufdringlich als in anderen Thermen, zumindest so mein Gefühl.
Besonders das kühle Becken im Außenbereich hat mir nach dem Saunieren viel Freude bereitet. Wer wie ich dabei aber nicht geräuschlos ins kalte Wasser kann, zieht durchaus mal einen Blick auf sich. Diese waren aber immer mit einem Lächeln gepaart.
Queeren Personen, denen ein kurzer neugieriger Blick nicht unangenehm ist, würde ich die Therme aber auf jeden Fall empfehlen, sie ist wunderschön und bietet viel Auswahl.
Schlussgedanken
Mir tut es in der Seele weh, der Einrichtung keine höhere Bewertung zu geben, da sie aus queerer Sicht leider große und vermeidbare Defizite hat.
Ich fasse zusammen: Die Toiletten in der Traumwelt könnten komplett geschlechtsneutral sein, da sie Einzelkabinen sind.
Auch würden mir Unisexmöglichkeiten, in denen Shampoonierung erlaubt ist, dort weiterhelfen. Beides wäre leicht umgesetzt. Die Nutzung der Thermalwelt ist als queere Person nur mit Zähneknirschen möglich und das bleibt unvermeidbar, da die Trennung so vorgesehen ist.
Trotzdem liebe ich diese Therme wirklich und kann sie in Sachen Atmosphäre und Entspannungsmöglichkeiten absolut empfehlen. Zu meiden sind die mit unausgeglichenen cis Männern überlaufenen Stoßzeiten. Generell sind unglaublich viele junge Menschen in der Anlage unterwegs gewesen. Wenn ihr die Gesellschaft gechillter Rentner:innen bevorzugt, versucht ggf. einen anderen Tag.
Fazit:
TL/DR
Ja, ich kann den Saunabereich für queere Personen empfehlen. Lasst ggf. die Thermalwelt weg.
