Karls­ruhe | Vierord­tbad | Ein Satz mit X

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Das war wohl nix?

An einem eher kühlen Tag im Juli 2023 machten wir uns per Bahn auf den Weg in das histo­ri­sche Vierord­tbad in Karls­ruhe. Im Vorfeld hatte ich gespal­tene Meinungen über das Bad gehört, wollte es mir aber selbst ansehen. Von der U‑Bahn-Halte­stelle aus ist das Bad wunderbar zu errei­chen, was es leider in keiner so schönen Umgebung platziert. Aber wir sind ja nicht hier, um die Stadt Karls­ruhe anzuschauen 😉 Mit dem Auto anreisen kann ich nicht empfehlen, da das kosten­lose Parkplatz­an­gebot überschaubar ist.

Gleich zur Öffnung des Bades waren wir angereist und freuten uns auf das verspro­chene komplett textil­freie Bad. Nun, komplett ist nicht ganz richtig — es gibt die Option, die Becken mit Beklei­dung zu benutzen. Jedoch müssen Handtü­cher genutzt werden, sobald das Becken verlassen wird. Ein reich­lich seltsames Konzept. Zur Sicher­heit, dass ich es richtig verstanden hatte, fragte ich die nette Service­kraft nach der Lage. Es wurde etwas besorgt angenommen, dass wir Kleidung tragen wollten und den anderen Gästen bitte nicht unange­nehm sein sollten.

Tja nun, wie groß war das Lächeln, als ich verkün­dete, dass wir Nackt­fans sind? Sehr groß. Wir erwarben eine Tages­karte, deren Preis an sich okay schien — aber ist er auch passend für das, was geboten wird im Vergleich zu Bädern in der Umgebung, wie der Rotherma oder dem Europabad? Finden wir’s raus!

Vierord­tbad
Karls­ruhe

Ettlinger Str. 4
76137 Karls­ruhe
www.ka-vierordtbad.de

Bitte achte beim Lesen darauf, dass ich hier mein persön­li­ches Erlebnis als schlanke, weiße, able-bodied, nicht-binäre, maskulin/androgyn wirkende Person mit flacher Brust und Vulva schil­dere. Es handelt sich um meine Empfin­dungen, die von deinen abwei­chen können/werden. Auch ist das Erlebnis absolut vom Wochentag, der Tages­zeit und den anwesenden Personen abhängig. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte mein Erlebnis vollkommen anders ausfallen können. Ich möchte hier meinen Eindruck vermit­teln und eine Möglich­keit des Erlebens darlegen. Take it with a grain of salt.

Stilmix ahoi

Durch das Drehkreuz geschlüpft gingen wir zu den Umkleiden. Ich war positiv überrascht über die Barrie­re­frei­heit der Einrich­tung, die auf mich auch mit Rollator oder Rollstuhl gut benutzbar schien. Die kleinen gemischten Umkleide-Séparées waren mit Bänken und Spinden ausge­stattet. Einige verfügten sogar über abschließ­bare Kabinen. Auch der lange Gang wirkte sehr angenehm auf mich. Ledig­lich die Anzahl der Toiletten war hier wirklich zu überschaubar. Und wer hätte es gedacht — natür­lich geschlech­ter­ge­trennt.

Die Zuord­nung hinter mir gelassen machte ich mich auf, die Anlage zu erkunden. Durch die erste Tür hindurch gegangen, fühlte ich mich durch die große Taschen­ab­lage mit ihren drohenden Schil­dern erstmal abgestoßen. Wieso durfte ich denn meinen Beutel nicht mitnehmen, wie in jeder anderen Therme?

Thermen-Sternchen | Karlsruhe | Vierordtbad | vorher
07/2023 — Vor dem Besuch im Vierord­tbad Karls­ruhe — gespannt

Der erste Eindruck, dass man hier nicht lange verweilen soll, bekräf­tigte sich. Da ich aber meinen Sauna­beutel nicht zurück­lassen wollte, nahm ich ihn kurzer­hand mit. Im anderen Regal sah ich dann auch einzeln verteilt die Gegen­stände anderer Personen. Ich kann nicht behaupten, dass es aufge­räumter ist, wenn Menschen keine Taschen mitnehmen dürfen.

Nun hieß es die Umgebung erkunden. Hier ein Ruhebe­reich, da zwei Saunen, dort Warmwasser und Kaltbe­cken. Es war wirklich überschaubar. Es kam die Frage auf: Wo duschen? Es gab frei zugäng­lich liegende Sauna­du­schen und unüber­sicht­lich gelegene abgetrennte normale Duschen. Ich stolperte erstmal unbeholfen umher, bis ich verstanden hatte, wo Menschen mit Vulva hingehen sollten. Unbegeis­tert ging ich in den abgetrennten Dusch­raum und erntete den ersten komischen Blick. Uff.

Die Dusch­köpfe hier waren völlig verkalkt und so hart einge­stellt, dass es mir auf der Haut schmerzte. Auch verstand ich die Syste­matik der Dusch­knaufe nicht sofort. Sie mussten mit einem festen Schlag reinge­drückt werden. Das alles zahlte auf ein unange­nehmes Gefühl ein. Also schnell wieder raus aus der Nasszelle.

Leider waren zu Anfang noch Kinder am Planschen in den Haupt­be­cken, die wohl zum Personal gehörten. So maßre­gelte sie eine Person über das laute Spielen. Diese Situa­tion war mir ausge­spro­chen unange­nehm und ich wusste gar nicht, wie ich damit umgehen sollte. Anders als im Europabad hatte ich hier nicht damit gerechnet, von Kindern umgeben zu sein. Mein Partner war zum Glück nicht so überfor­dert und lotste mich zur ersten Sauna. Wohlfühl-Feeling kam erstmal nicht auf, da ich die gesam­melten Eindrücke zuerst loswerden musste. Diese Sauna war aller­dings auffal­lend hübsch mit ihrem Sternen­himmel. Auch das elektri­sche Thermo­stat mit Uhrzeit fand ich praktisch, da ich immer vergesse Sanduhren zu drehen.

Nach der Sauna ist alles besser — oder?

Mit Freude sprang ich nach der kleinen Runde Schwitzen in das schöne Kaltbe­cken, welches in der Mitte des Haupt­raumes gelegen ist. Beim Aussteigen aus dem Becken hatte ich den Wunsch, mich trocken zu schüt­teln. Das war spaßig und befreiend 😀

Unsere Erkun­dung führte uns nun zu den Außen­be­cken, die sich für mich leider viel zu kalt anfühlten. Auch war die Konzen­tra­tion von Sole und Lithium im Vergleich zu Sinsheim wirklich gering. Einwir­kung des Wassers merkte ich nicht. Trotzdem freute ich mich hier sehr über den beruhi­genden Lavendel, der im Außen­be­reich gepflanzt war. Etwas fröstelig ging es zum nächsten Sauna­gang.

Von dort aus beobach­tete ich das Badper­sonal, welches mir in der Rot-Anthrazit-Beklei­dung vorkam, als wäre es gerade­wegs aus dem Bauhaus-Baumarkt entsprungen. Apropos Farbkon­zept: Etwas, das mich in der Therme wirklich mulmig machte, waren die Farben. Mir ist bewusst, dass die Stadt­farben von Karls­ruhe Rot, Gelb und Grau sind. Trotzdem sind riesige rote Fliesen wirklich keine gute Wahl für einen Entspan­nungsort. Auch die vielen Miniatur-Mosaik-Fliesen machen den Ort unruhig und lassen ihn unsauber wirken.

Nach diesem Sauna­gang wurde es Zeit etwas zu essen. Das Theken­per­sonal in der Gastro­nomie war wirklich herzlich, was uns auch die gesal­zenen Preise verkraften ließ. Lecker war es auf jeden Fall. Als wir aßen, begeg­nete uns der einzige Mensch, der Badebe­klei­dung — eine leuch­tend gelbe Speedo — trug. Vom Angebot, sich zu bekleiden, wurde also im größeren Stil kein Gebrauch gemacht. Wer das Bedürfnis nach Kleidung verspürt, sollte eben eine dafür ausge­legte Einrich­tung besuchen. Ich würde mich von beklei­deten Personen nicht beläs­tigt fühlen, da ich sehr gerne nackt bin, aber es gibt genug Personen, denen es anders geht. Sie wollen nicht “ungeschützter” oder “ungleich” sein. Als trans Person fühle ich mich nackt aber befreit und nicht zugeordnet.

Watsu ist ein seltenes Spezi­al­an­gebot von extern, das nur Monate im Voraus gebucht werden kann und außer­halb der Öffnungs­zeiten statt­findet. Deshalb zähle ich es nicht in die Wertung des Vierord­tbads hinein.
WATSU

Kommen wir zu einem schöneren Thema: Im Liquidrom Berlin habe ich zum ersten Mal Watsu erlebt. Eine wunder­volle Erfah­rung, die ich gerne auch meinem Partner gönnen wollte. Ich konnte einen Termin bei Reinhold Kriesche ergat­tern, der in verschie­denen Thermen der Umgebung Watsu anbietet. Im folgenden Gastbei­trag spricht Machine über seine Erfah­rung und sein Erleben beim ersten Mal Watsu. Viel Spaß!

Entspan­nend anders

Nach Kais Besuch im Liquidrom hatte ich gehört, dass Watsu etwas ganz beson­deres sei und ich es auch mal testen sollte. Umso mehr freute ich mich, dass es diese Angebote auch in unserer Nähe gibt. Als Kai auf dem Weg nach Berlin (mit dem Besuch im Vabali) war, widmete ich mich meiner Watsu-Session.

Früh am Morgen war das Bad noch geschlossen und ich konnte in völliger Ruhe ankommen. Es wurde zuerst ausführ­lich bespro­chen, ob ich irgendwo Schmerzen habe, welche Stellen nicht berührt werden sollen und wie der Ablauf der Behand­lung ist. Ich brauchte etwas, bis ich mich richtig einlassen konnte, aber danach war es toll, so frei zu floaten.

Da ich panse­xuell bin und auch sonst viel Körper­kon­takt mit cis Männern habe, hatte ich keine Berüh­rungs­ängste und konnte mich gut auf die Entspan­nung einlassen. Für mich war es vielleicht sogar einfa­cher, da mich eine FINTA Person vielleicht abgelenkt hätte.

Es war angenehm, so schwe­relos bewegt zu werden. Ich erinnere mich, dass ich einmal kurz einge­schlafen bin und geschnarcht habe, was absolut für die Entspan­nung während dieser Behand­lung spricht. Anschlie­ßend hatte ich noch eine Weile Ruhezeit und bekam eine Flasche Wasser zur Hydrie­rung. Eine vollum­fas­send positive Erfah­rung, die ich nun auch gerne noch als Paar vertiefen möchte. Watsu kann ich also absolut allen Personen empfehlen.

Eine vollum­fas­send positive Erfah­rung, die ich nun auch gerne noch als Paar vertiefen möchte. Watsu kann ich also absolut allen Personen empfehlen.

Machine Profilbild
Machine
CIS Mann / Panse­xuell / 37

Stärkung

In der Gastro bemerkten wir auch zum ersten Mal, dass der Essens­be­reich der Durch­gang zum Bewegungsbad der Einrich­tung ist. Wie sieht es dort aus? Ein breites Schwimm­be­cken, kleine blubbernde Buchten, definitiv der schönste Ort des ganzen Bades. Aber was waren das für komische Kabinen am Ende? Genauer inspi­ziert stellten sie sich nochmals als Duschen heraus, die wieder geschlechts­ge­trennt waren. Der Sinn dahinter erschloss sich mir absolut nicht.

Es wurde Zeit einen Ruheraum zu testen. Die Solebe­neb­lung klang spannend, also versuchten wir die dort hängenden Schwe­be­liegen. Leider hielt ich es dort nicht lange aus, da es zu laut und unruhig war. Also versuchten wir einen anderen Ruhebe­reich, der etwas weiter hinten lag. Dort konnte Machine ruhen und ich mein Buch lesen. Leider waren auch hier überall nur Glaswände ohne einen ruhigen Blick, sodass ich mich nicht entspannen konnte.

Bis jetzt waren alle Badegäste FKK unter­wegs und auch die Kinder sind schnell verschwunden. Im Vierord­tbad war aber die Jugend­lich­keit der Besucher:innen auffällig — nur wenige Menschen im Renten­alter waren darunter. Offen queer wirkende Personen konnte ich nicht wahrnehmen. Trotzdem war die Therme für einen Sonntag wohl wenig belegt, worüber sich die Sauna­meister lautstark außer­halb des Ruhebe­reichs unter­hielten. Mein Partner war ungemein verär­gert darüber. Als sie in der Sauna verschwunden waren, wollte ich die Zeit während des Aufgusses nutzen, um in Ruhe das Dampfbad zu testen. Also Sachen geschnappt dorthin getappst.

Was ist nur mit den Farben?

Im Majolika-Dampfbad erwar­tete uns eine schöne Statue, die den Dampf versprühte. Aber leider war alles in einem unaus­sprech­li­chen Grünton gestaltet, sodass ich mich wirklich wundern musste, welche 70er Jahre Ideen hier verar­beitet wurden. Schön war’s trotzdem. Nachdem der kleine Schwarm Menschen die Aufguss­sauna verlassen hatte, nutzten wir die Restwärme für unseren letzten Sauna­gang. Da dies mein erster Besuch war, freute ich mich über die Musik im Raum. Nach 5 Minuten erschien aber der Sauna­meister, stellte die Musik ab und entschul­digte sich, da diese noch vom Aufguss an war. Wirklich schade — die dürfte gerne immer an sein.

Sicht­lich frustriert wollte Machine den Besuch nun langsam beenden. Mehr als 4 Stunden konnten wir hier wirklich nicht verbringen. Nun kam für mich die Frage auf, ob ich mich unter den Sauna­du­schen shampoo­nieren und mit Duschgel einreiben darf…aber ich denke, das erübrigt sich. Nachfragen wollte ich nicht — ich fühlte mich schon unwohl genug. In der nächsten Einrich­tung mit eindeu­tigen Sauna­du­schen frage ich einfach mal nach.

Also ab in die Frauen­du­sche. Zuerst war ich allein dort, doch schnell waren 3 andere Personen in meiner Nähe. Ich spürte die fragenden Blicke und wie unwohl sich zwei von ihnen fühlten. Das war wohl der unange­nehmste Teil des Besuches und auch der Grund, wieso ich die Einrich­tung meiden werde. Keine Möglich­keit zu haben, mich gender­frei zu duschen, ist einfach nicht tragbar. Ich möchte niemanden beläs­tigen.

Schnell flüch­tete ich in die Umkleiden und versuchte, meine Positi­vität zu erhalten. Geföhnt und mit Sonnen­creme einge­kleis­tert, ging es heim.

Gastbei­trag — Kein Or(d)t für mich

Ich fand es großartig, im Vierord­tbad überall nackt sein zu dürfen. Die Anzahl der Saunen ist leider wirklich gering für den Eintritts­preis, die Becken sind nicht lange benutzbar und die Therme selbst zu unruhig. In den Saunen konnte ich ohne Brille die Zeit nicht lesen, hier hätte mir eine Sanduhr mehr gebracht. Auch haben mir die Sauna­meister, die sich lautstark vor dem Ruheraum unter­halten haben, sehr missfallen.

Ich kann die Therme nicht weiter­emp­fehlen. Weder an queere, noch an cis Personen.

Machine Profilbild
Machine
CIS Mann / Panse­xuell / 37

Schluss­ge­danken

Ich wünschte mir wirklich, dass ich mehr positive Worte für diese Therme übrig hätte. Es gibt viele kleine Dinge, die schön und mit viel Herz gestaltet sind. Doch leider ist es dort so unruhig, senso­risch anstren­gend und sinnlos geschlech­ter­ge­trennt, dass ich keine gute Erfah­rung hatte. Eine Tages­karte lohnt sich auf keinen Fall und die Ausstat­tung kann leider gar nicht mit den umlie­genden Thermen mithalten. Bei der tollen Lage hätte ich mir wirklich gewünscht, dass das Vierord­tbad ein reguläres Ausflugs­ziel wird. Aber lieber nicht…

Thermen-Sternchen | Karlsruhe | Vierordtbad | nachher
07/2023 — Nach dem Besuch im Vierord­tbad Karls­ruhe — eher müde als entspannt

Wenn ihr nicht bloß “mal eben” in eine Sauna oder ein Becken hüpfen wollt und euch Gender­feels wichtig sind, dann sucht lieber einen anderen Ort in Karls­ruhe auf.

Fazit: TL/DR

Nein, ich kann diese Therme nicht empfehlen. Als queere Person geht ihr besser woanders hin.

Bewer­tung

Gender­feels
Bewertet mit 1 von 5
Ambiente
Bewertet mit 2 von 5
Publikum
Bewertet mit 3 von 5
Preis / Leistung
Bewertet mit 2 von 5
Entspan­nung
Bewertet mit 1 von 5
Spezi­al­an­ge­bote
Bewertet mit 1 von 5
Gesamt­ergebnis
Bewertet mit 1.4 von 5