Ein Sommer der Sperrungen
Es ist August 2024 und viele Thermen, Bäder und Hallen haben Sommerpause. Nicht so das Fächerbad in Karlsruhe. Lange habe ich den Besuch aufgeschoben, da dieses Bad eher den Eindruck eines Sportbades machte, mit einem kleinen zusätzlichen Saunabereich. Aber ich sollte angenehm überrascht werden.
Dieser Monat ist gekennzeichnet von allerlei Schienenersatzverkehr, wovon auch diese Reiseroute betroffen war. Deshalb entschied meine Begleitung, dass wir lieber aufs Auto zurückgreifen. An sich ist das Fächerbad aber auch recht gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen, wenngleich es doch weit außerhalb liegt. Der Weg war gut ausgeschildert und reichlich Parkplätze vorhanden. Ebenso sahen die Fahrradständer gut belegt aus.
Ein Blick auf die niedrigen Eintrittspreise lässt vermuten, dass sich die Tageskarte nicht lohnt. Lasst mich vorgreifen: Die Annahme stimmt. Im Sommer gibt es aber die Möglichkeit, 4 Stunden zu zahlen und den ganzen Tag zu bleiben. Das haben wir dann natürlich genutzt.
Fächerbad
Karlsruhe
Am Sportpark 1
76131 Karlsruhe
www.ka-faecherbad.de
Bitte achte beim Lesen darauf, dass ich hier mein persönliches Erlebnis als schlanke, weiße, able-bodied, nicht-binäre, maskulin/androgyn wirkende Person mit flacher Brust und Vulva schildere. Es handelt sich um meine Empfindungen, die von deinen abweichen können/werden. Auch ist das Erlebnis absolut vom Wochentag, der Tageszeit und den anwesenden Personen abhängig. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte mein Erlebnis vollkommen anders ausfallen können. Ich möchte hier meinen Eindruck vermitteln und eine Möglichkeit des Erlebens darlegen. Take it with a grain of salt.
Eins wie die Anderen?
Im Empfangsbereich wurden wir freundlich begrüßt und darauf hingewiesen, dass viele Bereiche derzeit gesperrt seien, wegen Revisionsarbeiten. Da diese Infos bereits recht ausführlich auf der Website beschrieben wurden, war das keine Überraschung und wir konnten uns im Vorfeld gut darauf vorbereiten.
Also für die Transparenz: Ich habe das Bad besucht, als Mehrzweckbecken und 50-Meter-Becken gesperrt waren. Ebenso war die Textilsauna geschlossen, sowie viele Wege abgeriegelt und die Laufwege sehr umständlich. Diese Details zählen jedoch überhaupt nicht in meine Bewertung des Bades hinein. Da wie immer die Feelings als queere Person das Wichtigste sind und ich genug Vorstellungskraft besitze, um mir den Besuch mit vielen Kindern vorstellen zu können 😉
Also nichts wie rein mit einem sehr bequemen Armbändchen bestückt. In der Eingangshalle geht es rechts zu den reinen Umkleiden für den Sportbereich, links zu Familienumkleiden und Saunabereich. Nach einem weiteren Drehkreuz können wir auswählen uns entweder im Separee, der Herren- oder Damenumkleide umzuziehen. Wir entschieden uns für den Gang vor den Spinden, da die Separees uns erst beim Rausgehen aufgefallen sind und ich mich absolut nicht einordnen lassen will. Hupsi.
Duschen und Toiletten befinden sich ein Stück weiter hinten und sind geschlechtergetrennt, sowie recht spärlich vorhanden. Sollte hier doch mal etwas Betrieb herrschen, könnte es unangenehm werden.
Zuerst geht es für uns in den bekleideten Sportbereich. Wir schauen uns all die abgesperrten Bereiche durch das Fenster an und gehen weiter zum Schwimmerbecken. Machine schwimmt ein paar Runden, während ich ihn von der wirklich hübschen Tribüne aus beobachte. Tjaja, ich kann eben nicht wirklich schwimmen 😉 Motorisch für mich der Horror. Also warte ich brav bis er fertig ist. Die Blicke vom hier arbeitenden Personal sind sehr unangenehm. Aber gut — ich trage ein Sport-Bustier und eine Schwimmshorts. Sehr schwer zuzuordnen, I guess.
Die Halle ist wirklich schön und lichtdurchflutet. Sonnencreme sollte jedoch ein Muss sein, falls ihr euch hier länger aufhalten wollt. Leider habe ich auch vergessen unsere Badeschuhe einzupacken. So konnten wir uns den Garten des Textilbereiches nicht komplett ansehen. Hier scheint aber sehr viel geboten zu sein, ich empfehle euch also selbst einen Blick.
In jedem Fall ist dieses Bad von allen Einrichtungen, die ich bisher in Karlsruhe besucht habe, die modernste und wirklich gut gewartet. Überraschend! Wenn alles geöffnet hat, können im Textilbereich sicher gut ein paar Stunden verbracht werden. Gerade Schwimm- und Sprungtierchen kommen hier richtig auf ihre Kosten.
Stammgäste unter sich
Zurück durch die Umkleiden ging es für uns nun zu den Saunen, vorbei an zwei Fußbädern und einigen Relaxliegen. Draußen erwartet uns ein gesplittetes Kalt- und Warmwasserbecken, viele Sonnenliegen und diverse Saunen. Die meisten Liegen um das Becken herum sind mit Handtüchern besetzt oder gut belegt, was das Vorbeigehen jedes Mal zu einem kleinen Schaulaufen macht. Semi angenehm.
Wir schauen uns die Gebäude in Ruhe an: Hier die 90° C Sauna, dort 60° C, da das Dampfbad, ein Bistro und die Ruheräume. Recht übersichtlich, aber wirklich schön. Zur Anlage gehört ein großer Garten, in dem das Sonnenbaden auch nackt genossen werden kann. Wir werden vom Personal wirklich liebevoll begrüßt und es wird sich sofort dafür entschuldigt, dass der Saunabereich nur vier Außenduschen besitzt, für die recht weit gelaufen werden muss. Auch bekommen wir eine Aufklärung wann und wie die Aufgüsse ablaufen. Sehr angenehmes Saunapersonal — hier spüre ich, dass der Beruf gelebt wird.
Wir testeten zuerst das Sanarium aus. Es duftet wunderbar, die Bodenfliesen sind kühl an den Fußsohlen — mehr kann ich mir wirklich nicht wünschen. Nachdem ich zwei Wochen die Ostsee-Kälte genossen habe, ist diese Sauna das Richtige für den Anfang, denn ich merke, wie sehr ich jetzt schon schwitze. Normalerweise perle ich erst ab 75° C. Mir gefällt es wirklich gut. Das einzige Manko: Der Saunabereich ist nicht gut schallisoliert, weswegen das Geschnatter des Außenbereiches bei geöffneter Außentür ungefiltert eindringen kann. Macht also lieber auch diese Tür zu.
Nach dem Saunieren gilt es, einmal über den Hof zu flitzen. Eine von drei Mischwärme Duschen funktionierte leider nicht, also wartete ich und sondierte die Umgebung nochmals. Es gibt zwischen Bistro und Saunen eine Nische, die als Raucherbereich (und Anlieferung?) genutzt wird. Diese hätte doch besser für Duschen hergerichtet werden können?! Schade.
Nach der Dusche testen wir das kleine Tauchbecken. Es ist wirklich angenehm. Auch die modernen Whirl-Vorrichtungen können sich sehen lassen. Viel angenehmer als geflieste Liegeflächen. Ich bin sehr positiv überrascht über die Modernität dieser Anlage. Aber kein Wunder, sie wurde auch 2021 erst erneuert. Mit Erfolg!
Allerdings muss ich wieder die Platzierung der Sonnenliegen rund um das Tauchbecken kritisieren. Beim Baden, Einstieg und Ausstieg die ganze Zeit aus nächster Nähe von den alten Herren angestarrt zu werden, ist schon reichlich unangenehm. Stellt euch also darauf ein, wenn ihr das Becken nutzen wollt.
Ich schlug vor, nun das Dampfbad zu testen. Auch dieses Ambiente konnte sich sehen lassen. Die Einrichtung ist unglaublich geschmackvoll. Aber Vorsicht: Dieses Dampfbad ist echt Killer — lange habe ich es nicht ausgehalten. Ein Peeling hätte es noch perfekter gemacht.
Von Entspannung und Hunger
Direkt neben den Saunen befinden sich auch zwei Ruheräume. Einer hat sogar Wasserbetten, die wir natürlich ausprobieren mussten. Auch hier schließt ihr besser beide Türen, da sonst die Gespräche wirklich störend sind. Hier habe ich Uhren vermisst, was mich etwas unruhig machte. Ja, ich habe eine Tageskarte und keinen Zeitdruck, jedoch brauche ich die Uhrzeit, um mich in der Welt zu verankern. Sehr wichtig für mich.
Lange konnte ich nicht ruhen, da sich mein Magen meldete. Zu dieser Uhrzeit mussten wir zum Essen in den Textilbereich. Das Bistro in der Sauna öffnet erst Nachmittags. Na gut — dann Bademantel drüber und los. In die nassen Klamotten kriegt mich keiner mehr 😉
Ich überlasse mal Machine sich über das Bistro aufzuregen und halte mich kurz: Mein Essen war lecker, Preise passend, die Anweisungen und Beschilderung jedoch mangelhaft. Wenn ich als Gast freundlicher und zuvorkommender bin als das Gastro-Personal, dann läuft etwas nicht ganz so rund. Ich nehme mal an, die Baumaßnahmen frustrieren sehr und motivieren nicht gerade zu schauspielerischen Leistungen.
Zurück im Saunabereich testeten wir die Fußbäder, was uns heillos überforderte. Keiner von uns wusste so recht, wie sie zu bedienen waren — auch leider kein Zettel weit und breit. Hier wäre eine Anleitung wirklich nötig. Ich hoffe, dass wir nichts beschädigt haben.
Nun freute ich mich auf die Salzsauna, die ihrem Namen auch alle Ehre machte. Ich fühlte mich in dem salzigen Nebel sehr wohl, wenn auch direkt in der Mitte besser niemand sitzen sollte, sonst gibt es eine Großpackung Salz ins Gesicht. Nach einer weiteren Abkühlung wollten wir noch die heiße Sauna ausprobieren, bevor der nächste Aufguss anstand. Normalerweise meide ich Aufgüsse und nutze gerade dann alle anderen Orte in Ruhe. Was ich nicht wusste ist, dass hier schon zehn Minuten vor dem Aufguss die Sauna geöffnet und gelüftet wird. Also sind wir quasi sofort wieder raus. Das war unangenehm. Ich bin es gewöhnt, dass zur genannten Aufguss-Uhrzeit pünktlich die Aufguss-Person erscheint und ich kurz vorher verschwinden kann…nicht so zeitig. Tja nun, handhabt jeder Betrieb anders.
Kurz und knapp
Unser Besuch war nicht sehr lang, also lasst mich die zusätzlichen Infos kompakt an euch weitergeben:
Bis ca. 11 Uhr bestand die Bevölkerung hier ausschließlich aus Menschen 70+, was ich sehr angenehm finde. FKK-Menschen sind einfach entspannter. Die Sauna-Etikette wurde auch eingehalten mit einigen Schnatterein hier und da — aber aushaltbar. Ich empfehle es 9 Uhr aufzuschlagen und bis Nachmittag wieder zu gehen. Ein Freitagvormittag im Hochsommer ist ein guter Zeitpunkt gewesen.
Kinder habe ich im Saunabereich nicht erlebt. Sie haben aber in Begleitung der Eltern Zutritt. Diese Info würde ich mir auch auf der Website wünschen, da ich Saunabereiche mit Altersbeschränkungen (16+) bevorzuge.
Einen Rückzugsort im Fächerbad kann ich euch leider nicht empfehlen. Alle Bereiche sind leicht zugänglich und werden auch gut besucht. Die Ruheräume sind mit geschlossenen Türen jedoch wirklich angenehm, also sucht euch dort ein Eckchen. Die Stammgäste sind sicher eher mit dem Außenbereich beschäftigt 😉
Das Massagestudio war leider geschlossen. Laut Website orientiert es sich aber an den üblichen Preisen und per Telefon können Termine gebucht werden.
Eigentlich ganz gut
Das Personal war ausgesprochen freundlich, besonders im Gedächtnis geblieben ist mir die Mitarbeiterin aus dem Saunabereich, die uns die Vorzüge und korrekte Teilnahme an einem Aufguss erklärt hat, um uns dazu zu motivieren auch teilzunehmen.
Die nutzbaren Becken im Schwimmbereich waren hell, modern und zum Bahnen drehen angenehm. Die Auswahl an Saunen und Temperaturbereichen ist vollkommen ausreichend. Extras wie Fußbäder und Wasserbetten runden das Erlebnis ab. Der einzige Kritikpunkt war die zu zentral gelegene Raucherecke zwischen Bistro und Saunen. Die hätte man gerne etwas weiter abseits verlegen können.
Die Speisen im Bistro kann ich nicht beurteilen da alle veganen oder vegetarischen Warmspeisen an dem Tag nicht verfügbar waren. Irgendwie erwarte ich doch, dass sich die Mühe gemacht wird, auf einer gedruckten Theken-Speisekarte zu vermerken, wenn 80% der Gerichte nicht da sind. Die unfreundlichen Reaktionen haben mir das Essen wahrlich verdorben.
Als cis Mann mit einer queeren Person zusammen habe ich mich recht wohl gefühlt. Ich kann es also empfehlen. Die typischen alten gaffenden Herren sind halt überall zu finden. Ich werde mir aber für die nächsten Besuche angewöhnen, einen Snack mitzunehmen, falls die Küche wieder nicht möchte. Alles andere von Freundlichkeit, Ausstattung und Qualität war in einem guten Preis/ Leistung Bereich.
Schlussgedanken
Beim Gehen kam uns die Aufguss-Person vom Anfang entgegen und war ganz traurig, dass wir keinen Aufguss mitgemacht hatten. Das fand ich richtig süß. Vielleicht ein andermal.
Ich habe mich fast durchweg positiv gefühlt beim Besuch der Saunalandschaft. Das Sportbad kann ich nur schlecht einschätzen, da ich mich dort vom Personal schon arg gemustert gefühlt habe. Aber gut — nackte Menschen sind meistens netter als Bekleidete. Das trifft auch hier zu.
Kann ich euch das Bad als queere Person empfehlen? Ja. Die üblichen Minuspunkte wie Duschen, die sich meiden lassen und unvermeidbare Toiletten, müsst ihr aber abkönnen. Offen queere Menschen habe ich während meines Besuches nicht wahrgenommen, würde aber nicht ausschließen, dass es jemensch mal hierher verschlägt. Schließlich ist Hagsfeld mit seinen günstigen Wohnungen direkt nebenan.
Vielleicht update ich diesen Eintrag in Zukunft nochmal, wenn das Bad wieder komplett in Betrieb ist und ich alle Bereiche anschauen konnte. Ich denke auch, dass Kinder den Eindruck des Bades komplett verändern werden. Also nutzt meine Informationen mit einem gewissen Vorbehalt. Es ist in jedem Fall schön, schlicht und beruhigend unspektakulär.
Fazit:
TL/DR
Ja, ist auch etwas für queere Personen. Die üblichen Minuspunkte wie geschlechtsgetrennte Duschen und unvermeidbare Toiletten müsst ihr aber abkönnen.
