Karls­ruhe | Europabad | Überra­schend vielschichtig

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Eine angenehme Begrü­ßung

Von allen Ecken und Enden wurde mir berichtet, wie unange­nehm das Europabad in Karls­ruhe sei oder dass es gemieden werden müsse. Solche Wertungen überprüfe ich natür­lich lieber selbst. An einem sonnigen Mittwoch­morgen während der Pfingst­fe­rien machten wir uns per Auto auf den Weg zum Bad. Wir hätten auch recht bequem mit der Straßen­bahn anreisen können, aber meine Beglei­tung bestand darauf, das Auto zu nehmen. So durfte er dann auch die Gebühren für die direkt neben der Einrich­tung liegende Tiefga­rage zahlen 😉 Wieder an der Oberfläche begrüßte uns KAi der Hai schon vor dem Bad. Ich freute mich über den Flach­witz im Namen und tapste in die äußerst breite Halle hinein.

Da die Tages­karten einen angenehmen Preis hatten, stand für uns eine im Voraus gebuchte Massage auf dem Plan. Am Empfang wurden wir sehr freund­lich einge­lassen und uns das Umziehen im Sauna­be­reich als wesent­lich angenehmer empfohlen. Ein unnötiges Misgen­de­ring an der Spa-Kasse hielt mich nicht davon ab, mich auf den Besuch zu freuen. Also nichts wie die Bad-Chips geschnappt und rein in die Anlage.

Europabad
Karls­ruhe

Hermann-Veit-Straße 5
76135 Karls­ruhe
www.ka-europabad.de

Bitte achte beim Lesen darauf, dass ich hier mein persön­li­ches Erlebnis als schlanke, weiße, able-bodied, nicht-binäre, maskulin/androgyn wirkende Person mit flacher Brust und Vulva schil­dere. Es handelt sich um meine Empfin­dungen, die von deinen abwei­chen können/werden. Auch ist das Erlebnis absolut vom Wochentag, der Tages­zeit und den anwesenden Personen abhängig. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte mein Erlebnis vollkommen anders ausfallen können. Ich möchte hier meinen Eindruck vermit­teln und eine Möglich­keit des Erlebens darlegen. Take it with a grain of salt.

Von sinnvoller Planung und sinnlosen Trennungen

Wir folgten den Worten der Empfangs­person und fanden uns in der oberen Etage wieder. Hier gab es recht breite Gänge, in denen eine große Anzahl von Spinden mit privaten Umklei­de­ka­binen platziert war. Ich möchte hier das Design der Schränke hervor­heben: Diese sind sowohl oben als auch unten offen und mit Gittern ausge­stattet. So kann die Luft hindurch­ziehen und auch die nasse Badebe­klei­dung trocknen. Super Idee, denn nichts ist schlimmer, als wieder in klatsch­nasse Wäsche schlüpfen zu müssen.

Den Umklei­de­be­reich im Erleb­nis­teil bekamen wir später auch noch zu sehen. Er scheint sich in zwei erheb­lich größere Bereiche zu gliedern. Hier kann ich jedoch keine Auskunft über die Freund­lich­keit geben, da ich mich dort nicht aufge­halten habe und es wegen der vielen Menschen auch nicht vorziehen würde.

Zuerst sollte es für uns in den Erleb­nis­be­reich gehen. Dieser war um 10 Uhr morgens noch sehr (kinder)leer und das wollten wir ausnutzen. 

Thermen-Sternchen | Karlsruhe | Europabad
05/2023 — Geblendet und gespannt vor dem Europabad

Frisch umgezogen kam der erste Dämpfer: Es gilt eine Art geschlechts­ge­trennte Zwischentür zu durch­schreiten, von der links und rechts Duschen und Toilette abgehen. Es gibt keine andere Möglich­keit den Spaß-Bereich zu betreten, außer man hat auch den Sauna­ein­tritt bezahlt und das Drehkreuz neben dem Restau­rant ist nicht gerade kaputt, wie es in unserem Fall war. Mir ist bewusst, dass diese Führung Menschen zum Duschen zwingen soll. Wer aber nicht duschen will, wird nicht duschen — da helfen auch keine Zwischen­türen. 

Mit Augen­rollen trennten wir uns also kurz, um dann erstmal eine Runde die Innen- und Außen­be­cken auszu­pro­bieren. Diese sind wenig spekta­kulär, aber sind wir ehrlich, in dem Bereich geht es (für mich) um die große Anzahl von Rutschen, weniger um das Rumplant­schen unter einem Schwarm Kinder. Also erst die großen Hinweis­schilder studieren, entschieden, welche Rutschen wir zuerst testen wollten und hoch die vielen Treppen­stufen.

Brother help

Meine Erleb­nisse mit den Rutschen lassen sich viel besser in einem kurzen Video beschreiben. Soviel vorab: Es war extrem lustig und ich wäre auch nur fast abgeglu­ckert 🤣 Am Ende hatte ich eine geschmol­zene Badehose und ein verbranntes Steiß­bein.

Vielen Dank an tuberides.de für die Video­schnipsel aus dem Europabad 💜

Ein Überra­schungsei in nass

Erschöpft von der Rutsch­partie, testeten wir das Restau­rant aus. Kleine Lecke­reien waren moderat bepreist, jedoch war das Wasser ausschließ­lich zu utopi­schen Preisen zu erwerben. In meinen Augen sollte eine Einrich­tung, die keine Wasser­spender bietet, wirklich kosten­güns­tiges Wasser anbieten. So war es nicht wunder­lich, dass trotz Verbot überall Wasser­fla­schen zu sehen waren. 

Wir hatten noch eine Stunde bis zu unserer Massage, also wollten wir noch etwas Saunieren. Schnell ausge­zogen und frisch geduscht wollten wir die nagel­neuen Themens­aunen auspro­bieren. Oben angekommen merkte ich, dass wir hier nicht durch getrennte Duschen gehen mussten, sondern es auch eine Seitentür gab. Hier landeten wir in der Haupt­halle, in der sich Dampfbad, Eisraum, finni­sche Sauna und ein Kaltbe­cken befinden. Darauf freute ich mich. Für Schat­ten­fans gibt es hier auch wunder­bare Entspan­nungs­be­reiche. Aber nun erstmal in den Außen­be­reich.

Ein wirklich hübscher und gut windiger Garten lag vor uns. Begrüßt wurden wir von vielen ungeniert nackten Menschen auf Liegen — wie schön! Hier kann sicher der ganze Tag super verbracht werden. Der Raucher­be­reich war im Gegen­satz zur Sachsen-Therme super abgegrenzt. Den wirklich schönen warmen Außen­pool ließen wir erstmal links liegen und nutzen zuerst die gender­freien Duschen. Da Ferien waren, konnten wir sehr zeitig und allein in die Themens­aunen. Sie waren unglaub­lich detail­reich dekoriert und liebe­voll geschrei­nert. Absolute Empfehlung! Ich war selten in einer so schönen Sauna-Umgebung. Diese kann mit Euskirchen/Sinsheim absolut mithalten. 

Nach dem Schwitzen und anschlie­ßenden Geplansch im Pool wurde es Zeit für die Massage. Wir hatten eine paral­lele Paar-Massage mit Aromaöl gebucht. Das Spa-Team war sehr freund­lich, doch vermisste ich ein Vorge­spräch. Wir wurden weder gefragt, ob wir in irgend­wel­chen Berei­chen Schmerzen haben, ob wir irgendwo nicht berührt werden möchten oder wie (stark, leicht, …)wir angefasst werden möchten. Da es diese Dinge bei uns im Moment nicht zu beachten gibt, habe ich nichts angeme­ckert. Trotzdem hätten andere Personen diese Einlei­tung vielleicht gebraucht, da nicht jede:r offen Dinge anspre­chen kann.

Meine Massage lief sehr profes­sio­nell ab und es wurde sehr darauf geachtet, meinen Hintern und meine Brust bedeckt zu halten. Da dies meine erste Profi-Massage war, habe ich kein Vergleichs­ma­te­rial, um die Qualität genauer zu betrachten. Ich hätte mir wohl an der Stelle eher eine Sport­mas­sage gönnen sollen als Entspan­nung, da ich die seichte Musik gar nicht so angenehm fand und lieber etwas geplauscht hätte. Die Funkstille hat bei mir eher Unsicher­heiten ausge­löst. Ganz anders als beim Watsu machte ich mir Gedanken über den Zustand meines Körpers und meiner Haut. Ich konnte mich nicht fallen lassen. Das wird aber völlig an mir gelegen haben. Ich werde dieses Feld in Zukunft also etwas mehr anschauen.

Zurück in den Sauna­be­reich

Nach dem Abduschen des Aromaöls erkun­deten wir den Garten weiter. Eine kleine Holzhütten-Sauna mit Mini-Pool tauchte versteckt zwischen Hecken auf. Ich war richtig glück­lich. Die wenigsten Thermen in unserer Umgebung haben zwei kleine Pools, in denen man nackt chillen kann. Mein Bedürfnis war mehr Wasser, also genoss ich einige Zeit das Wasser, bis wir den nächsten Sauna­gang antraten. Ich drückte mich hier davor, das kalte Tauch­be­cken zu nutzen und zog eine warme Dusche vor. 

Hier im Garten wurde die Chance auf unisex Toiletten verschenkt. Anstatt in dem kleinen Häuschen drei Türen zu machen ohne Geschlechter zu machen, gab es ein Herrenklo und eine Mischung aus Damenklo und Toilette für Menschen mit Handycap. Schade.

Vor unserem letzten Sauna­gang genossen wir noch ein paar warme Getränke. In diesem Restau­rant trafen wir das erste Mal auf sehr “komisch” reagie­rendes Personal, das ich mit meiner überschwäng­li­chen Freund­lich­keit auch nicht zu einem geschau­spie­lerten Lächeln verleiten konnte. Das war aber einer der wenigen Momente, die ich als sehr unange­nehm empfand. Die Badegäste waren durchweg freund­lich und hielten sich an die Sauna-Etikette. Ein paar Gespräche unter Kindern über “Trans­gender” habe ich aufge­schnappt. Aber das war die Ausnahme. Ich hatte nicht das Gefühl, riesiges Aufsehen zu erregen. Offen queere Personen konnte ich leider keine ausma­chen, dafür aber einige junge Menschen, die sich nicht genierten komplett nackt zu sein.

Die super heiße finni­sche Sauna mit dem anschlie­ßenden Eisraum war der krönende Abschluss. Auch traute ich mich zum ersten Mal komplett in ein eiskaltes Tauch­be­cken. Wow, das war belebender, als ich gedacht hatte. Ich bin sonst super zimper­lich mit kaltem Wasser, das Erlebnis hat mir aber gezeigt, dass das Gefühl danach einfach so belebend ist, dass es sich lohnt. Versucht es also gerne selbst! Bei meinem nächsten Sauna­be­such werde ich dann mal so einen kalten Wasser­eimer probieren. Ich bin sehr gespannt.

Da ich die finale Dusche mit meinem Mann gemeinsam erledigen wollte und dabei sowohl Shampoo als auch Duschgel teilen wollte, duschten wir im Sauna­be­reich. Ob das nun erlaubt ist oder nicht, war mir recht egal. Ich hatte genügend no-fucks-to-give-Energie gesam­melt, um mich nicht in der Damen­du­sche abquälen zu wollen. Beschwert hat sich niemand.

Das Europabad — Passt scho

Für mich war dieses Erleb­nisbad ziemlich angenehm: Gute Eintritts­preise, viel Tages­licht, liebe­voll dekorierte Rutschen/Saunen und eine tiptop Spa-Massage. Auch die anwesenden Personen waren keine unange­nehmen Jugend­gruppen, sondern eher Familien und Paare.

Wenn ich etwas kriti­sieren sollte, dann die sinnlose Trennung der Durch­lauf­be­reiche zu den Duschen/Toiletten. Auch war die Anzahl der Duschen in diesen Räumen einfach zu klein. Auch die billige Einrich­tung des Restau­rant­be­reichs (Erlebnis) und die hohen Preise für einfache Schwimmbad-Gerichte ließen sich anführen. Da hatte die Sachsen-Therme sehr viel mehr für den gleichen Preis zu bieten.

Trotzdem kann ich das Bad allen Personen empfehlen, die eine Mischung aus Erlebnis und Entspan­nung suchen — queere Personen einge­schlossen.

Machine Profilbild
Machine
CIS Mann / Panse­xuell / 36

Schluss­ge­danken

Ich habe gut darüber nachge­dacht, wie ich hier die Gender­feels bewerte. Mein Spaßfaktor war riesig und ich möchte die Gesamt­wer­tung nicht ausschließ­lich wegen der unnötigen Geschlech­ter­tren­nung der Durch­gänge herun­ter­ziehen. Zum Ende hin waren mir die getrennten Gänge dann auch zu nervig und ich bin einfach durch den nächst­ge­le­genen Durch­gang gestapft. Schließ­lich waren Toiletten und Duschen sowieso noch durch eine Tür getrennt, nobody was hurt.

Thermen-Sternchen | Karlsruhe | Europabad
05/2023 — Sicht­lich happy nach dem Besuch im Europabad

Alles in allem war mein Aufent­halt sowohl spaßig, entspan­nend als auch belebend. Die Wertung anderer Menschen solltet ihr also nie zu ernst nehmen und es selbst probieren. Definitiv als queere Person, die mit Kindern klarkommt, einen Besuch wert. Wenn ihr ganz gechillt sein wollt, lasst einfach alle Trennungen links liegen und nutzt nur die Duschen oben, direkt neben der finni­schen Sauna oder im Außen­be­reich. Dann gibt es nur noch die Toiletten auszu­halten.

Fazit: TL/DR

Ja, ich kann das Europabad queeren Personen empfehlen. Aber, wenn ihr ausschließ­lich in den Erleb­nis­be­reich wollt, müsst ihr durch getrennte Duschen/Toiletten. Lasst euch von dem Dämpfer nicht unter­kriegen.

Bewer­tung

Gender­feels
Bewertet mit 4 von 5
Ambiente
Bewertet mit 4 von 5
Publikum
Bewertet mit 3 von 5
Preis / Leistung
Bewertet mit 3 von 5
Entspan­nung
Bewertet mit 4 von 5
Spezi­al­an­ge­bote
Bewertet mit 5 von 5
Gesamt­ergebnis
Bewertet mit 3.9 von 5