Halle Saale | Maya mare | Zerplatzte Kindheits­freuden

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Ostdeut­sche Mayas, Inkas und Azteken

Im September 2023 machten wir uns an einem Samstag­vor­mittag auf den Weg zum Maya mare in Halle (Saale). Hier handelt es sich um eine Mischung aus Erleb­nisbad mit Rutschen und einer recht großen Sauna­land­schaft. Es liegt versteckt am Rande der Stadt, scheint aber auch per Bahn gut erreichbar zu sein. Wir konnten das Auto in einem Parkhaus unter­bringen und die Parkge­bühr war wirklich niedrig. Angekommen und die Treppen erklommen, fanden wir eine lange Schlage vor. Sachsen-Anhalt ist eben doch “das Land der Frühauf­steher” 😉 Die Eintritts­preise sind ebenfalls moderat. Im ganzen Bad sind Kinder erlaubt, also ist hier die Erwar­tung an Ruhe im Sauna­be­reich eher gering.

Dies ist weder mein erster Besuch, noch war meine Beglei­tung zum ersten Mal hier. Wir sind beide in Sachsen-Anhalt aufge­wachsen und waren sowohl als Kinder als auch Erwach­sene im Maya mare. Mein letzter Besuch liegt bis 2017 zurück. Mit diesem Bad verbindet mich mindes­tens genauso viel Nostalgie wie mit der Sachsen-Therme in Leipzig. Jedoch war ich noch nie im Sauna­be­reich. Ich habe die kindli­chen Erinne­rungen für diesen Blog unter die Lupe genommen und auch in Frage gestellt. Diesen Text habe ich erst 4 Monate nach dem Besuch verfasst, da ich mich einiger­maßen davor gedrückt habe, meine Gedanken zusam­men­zu­stellen [Fores­ha­dowing 😂].

Maya mare

Am Wasser­werk
06132 Halle (Saale)
www.mayamare.de

Bitte achte beim Lesen darauf, dass ich hier mein persön­li­ches Erlebnis als schlanke, weiße, able-bodied, nicht-binäre, maskulin/androgyn wirkende Person mit flacher Brust und Vulva schil­dere. Es handelt sich um meine Empfin­dungen, die von deinen abwei­chen können/werden. Auch ist das Erlebnis absolut vom Wochentag, der Tages­zeit und den anwesenden Personen abhängig. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte mein Erlebnis vollkommen anders ausfallen können. Ich möchte hier meinen Eindruck vermit­teln und eine Möglich­keit des Erlebens darlegen. Take it with a grain of salt.

Als Kind war alles fescher

Die Einrich­tung lässt sich auf mehrere Arten betreten: Durch den Erleb­nis­be­reich und den Sauna­be­reich. Bei diesem Besuch entschied ich mich für den Eingang des Sauna­be­rei­ches, da ich ihn als Kind nicht besucht hatte. Ich war ganz gespannt, was mich erwarten würde. Durch gefühlt endlose Gänge spazierten wir am halben Bad vorbei und genossen einen Blick in die Badeland­schaft. Alles ist in die Jahre gekommen. Gerade dem vielen Holz sieht man sein langes Leben an. Zu diesem Zeitpunkt war das Bad noch relativ leer.

Im Keller befinden sich die Umkleiden für den Sauna­be­reich, die links zum Herren- und rechts zum Damen­be­reich führen, aber in der Mitte irgendwie offen sind. Das nervte mich wirklich und erschien mir sinnlos. Meine Beglei­tung schlug direkt vor, dass wir es einfach ignorieren und ich mit auf seine Seite gehe. Okay, machen wir das so. Ich kann also nicht sagen, ob sich in diesem Bereich noch abgetrennte Umklei­de­ka­binen befinden.

Thermen-Sternchen | Halle Saale | Maya mare | vorher
09/2023 — Vor dem Besuch im Maya mare mit Vorfreude gefüllt

Ein Blick nach links: An den Duschen prangerten riesige, händisch gedruckte Schilder mit der Aufschrift “NUR FÜR HERREN” und gegen­über “NUR FÜR DAMEN”. Ich fand es einfach nur albern und war enttäuscht. Die Schrift war so absto­ßend wie ein drohender Zeige­finger. Ich seufzte und wir schimpften darüber so laut, dass es auch die anderen Gäste hörten. Das Narrativ vom Mann als Täter muss aufhören, genauso wie die Geschichte der wehrlosen Frau. Von der Inklu­die­rung nicht-binärer Menschen, muss ich gar nicht erst anfangen…

Dieses “Problem” finde ich zugegeben oben besser gelöst. Dort gibt es seltsa­mer­weise keine Trennung an den Umkleiden und viele Einzel­ka­binen. Jedoch sind die Duschen sehr wohl komplett getrennt. Was lusti­ger­weise total obsolet ist, da eh dutzende Eltern­teile ihre kleinen Kinder herum­schleppen und begleiten. Das Konzept einer zusätz­li­chen Gemein­schafts­du­sche scheint weltfremd. So sehe ich viele mutmaß­liche Väter, die dumm rumstehen oder die Kinder­be­treuung nicht komplett abgeben, da sie tapfer ihren Nachwuchs mit auf das etwas weniger volle Herrenklo schleifen. Aber ich greife vor…

Liebe­voll und ganz im Thema

Den Bademantel überge­worfen, ging es ein paar Stufen nach oben in den Sauna­be­reich. Das Drehkreuz zur Bereichs­über­prü­fung ist erst dort angebracht, was ich sehr unange­nehm finde. Sauna­be­reiche mit eigenem Umklei­de­be­reich sind wesent­lich entspannter. Da das Bad aber auch über ein Fitness­studio mit Premium-Sauna­nut­zungs­plan verfügt, musste die Trennung wohl so gelöst werden.

Ich war etwas überfor­dert vom Aufbau der Haupt­halle und wusste nicht, wo ich zuerst hingehen sollte. Die Schilder waren auch zu ausgeb­li­chen und klein beschriftet, so musste ich sehr nah heran­gehen, um etwas zu erkennen. Beson­ders die Tempe­ra­turen würde ich gerne auf den ersten Blick entzif­fern können. Aber: schön war es hier! Jede kleine Attrak­tion ist in einem anders gefärbten Häuschen zu Hause. Überall Pflanzen und hübsch gestal­tete kleine Zäune. Leider bietet die Maya mare Website keinen genauen Einblick in die Schön­heit der Anlage. Schaut euch lieber auf Facebook um, da bekommt ihr einen wirkli­chen Überblick.

Wir testeten das Calda­rium und die Kräuter­sauna zuerst aus. Auch hier war der Stil durch­ge­zogen und die Räume trotz des Alters ganz gut in Schuss. In allen Trocken­saunen sind Sanduhren angebracht. In den Feuchtsaunen gibt es jedoch keine Zeitan­zeiger.

Neben den kleinen Saunen sind jeweils Duschen. Dort wird aber ausdrück­lich verboten, Duschgel zu benutzen. Wenn ihr keine Regeln brechen wollt, müsst ihr euch der Trennung unter­werfen. Schade! Insge­samt bemerkte ich sehr viele Verbots- und Anwei­sungs­schilder in dieser Einrich­tung. Die Ossis mögen eben gerne Anwei­sungen, was? 😉 Fühl ich.

Als nächstes war der Whirl­pool dran, in dem wir einen ruhigen Überblick gewinnen konnten. Rund herum befinden sich Liegen und noch ein Wasser­be­cken, das zum Außen­be­reich führt. Dieses nahmen wir als nächstes unter die Lupe. Oh — das Wasser war kalt! Deshalb leider kein Ort, um im Sauna­be­reich einfach ein wenig im Wasser zu entspannen. Das fehlt im Sauna­park leider gänzlich, wie in den meisten Anlagen. Mein absoluter Wunsch an alle Thermen: Ein warmes Becken, wo nackt entspannt werden kann. Richtig gut ist das im Europabad Karls­ruhe und in der Thermen & Badewelt Sinsheim umgesetzt.

Noch war es recht unbelebt, nur hier und da Menschen im Renten­alter, also nutzte ich die Chance, nach den Toiletten zu schauen. Diese befanden sich im Unter­ge­schoss bei den Umkleiden. Diese waren seltsam geschlechts­ge­trennt und im Inneren befanden sich (zwei?) kleine Kabinen. Für die Anzahl an Personen reich­lich wenig. Diese Toiletten sollten den ganzen Sauna­be­reich tragen? Denn Außen schien es keine zu geben. Seltsam!

Wieder oben wichen wir den anste­henden Aufgüss­lern aus und nutzen die Leere, um die große Keloblock­sauna allein zu testen. Ausge­spro­chen charmant! Duschen waren auch hier direkt nebenan. Nach einer kleinen Runde im kalten Außen­pool der Anlage hatten wir Hunger. Das Restau­rant im Sauna­be­reich bot außer­ge­wöhn­lich leckere und gesunde Speisen an. Selbst als vegan lebender Mensch wirst du fündig. Die günstigen Preise konnten sich sehen lassen. Als Neu-Wessi beneide ich diese Schnäpp­chen sehr 😉

Gestärkt wollten wir eine Pause einlegen. Wäre besseres Wetter gewesen, hätte der riesige Garten einen behag­li­chen Ruheort abgegeben. Direkt neben der Anlage verläuft ein Fluss, der richtig entspan­nend wirkt. Nach dem Spazier­gang entschlossen wir uns, den großen Ruheraum zu erkunden.

Geheim­tipp

Eine Augen­weide dieser Ruheraum! Ihr findet dort äußerst bequeme Liegen, Hänge­matten und Schwe­be­betten. In einem großen alten Bücher­regal finden sich Klassiker der Litera­tur­ge­schichte und zurück­ge­las­sene Bücher. Alles ist licht­durch­flutet. Wirklich ein gemüt­li­cher Ort. Hier lassen sich viele Stunden verbringen.

Auch in diesem Fall verfügt die Website über zu wenig Bildma­te­rial, weswegen ich ihn euch leider nicht zeigen kann. Eine Neuge­stal­tung der Seite für mehr Übersicht­lich­keit wäre zudem sinnvoll.

Zeit für ein Nicker­chen.

Wasser lassen — besser im Wasser?

Nach meiner Ruhepause musste ich erneut die Toilette aufsu­chen. Der Alters­durch­schnitt war inzwi­schen gesunken und der Lautstär­ke­pegel deutlich erhöht. Leider war jene Toilette im Sauna­be­reich nun “außer Betrieb”. Uff. Also hieß es das halbe Bad durch­queren und hochgehen. Ich war schon perplex, wieso so viele beklei­dete Menschen in den Umkleiden des Sauna­be­reichs waren — was war oben los? Alles voll?

Wir zogen uns Badebe­klei­dung an. Ich entschied mich für einen Sport-Bikini. Auf ins Getümmel.

Oben offen­barte sich die unglaub­liche Masse an Menschen. So viele habe ich in der Anlage noch nie gesehen. Die sanitären Anlagen waren völlig überfor­dert und überrannt. Ich musste auf das Damenklo gehen und ewig zwischen den Kindern warten, bis mal eins der viel zu wenigen Klos frei wurde. Sehr unange­nehm. Es roch erbärm­lich und mein jüngeres Ich hätte bei der Umgebung vermut­lich nicht­mals die Toilette nutzen können, wie sehr es auch gemusst hätte. Deshalb muss ich nicht nur als queere Person dem Bad in dieser Hinsicht viel Wertung abziehen, sondern auch als reiner Mensch. Was habt ihr euch dabei gedacht, so wenige Toiletten zu instal­lieren???! [Satzzei­chen sind in diesem Fall Rudel­tiere der puren Verzweif­lung.]

Im FAQ des Maya mare heißt es so schön: “Gibt es eine Beschrän­kung der Gäste­zahl? Nein, eine Kapazi­täts­be­schrän­kung gibt es nicht. Wir haben genügend Platz für alle.”

Nein, kann ich so nicht bestä­tigen. Da bevor­zuge ich Ampeln mit Belegungs­dichte, so wie sie das Europabad Karls­ruhe hat oder die Vorbu­chungen des Vabali in Berlin.

Das Beste draus machen

Mir war unwohl nach diesem Erlebnis. Trotzdem wollte ich gerne noch rutschen. Den Badebe­reich ließen wir wegen der Überfül­lung links liegen. Ich beschreibe ihn euch aber mal aus der Perspek­tive von meinem letzten Besuch in 2017.

Wenn ihr unter der Woche und außer­halb der Ferien geht, ist dort eine wunder­schöne Landschaft. Ein riesiges Wellen­be­cken, Whirl­pools und Wildwas­ser­fluss machen den Aufent­halt super angenehm. Ich empfehle es absolut dort ein paar Stunden zu verbringen. Das Ambiente mit den vielen Pflanzen, Erdtönen und liebe­vollen Details ist zauber­haft. Nur die Decke hat schon bessere Zeiten und Elektriker gesehen 😉 [Kommentar von Machine, der nicht aufhörte, über die Verle­gung der Kabel zu fluchen.]

Im Nachhinein habe ich es sehr bereut, nicht das “offene Massage-Termine” Schild beim Wort genommen zu haben. Die Preise sind wirklich günstig. Nur leider hatte ich abends noch einen Termin und wollte nicht völlig durch­ge­nu­delt sein.

Ab zu den Rutschen. Hier tummelten sich viele Kinder. Wir griffen uns ein paar Reifen und tapsten ohne Schuhe den Turm hoch. Da wurden Erinne­rungen wach! Nostal­gisch hier oben, so vor der grünen und der blauen Rutsche. Ein paar Kinder fragten Machine ausge­spro­chen höflich, ob er den Doppel­reifen für sie halten könne. Hat er natür­lich gerne getan und wir waren ganz überrascht, wie anders diese Kinder hier waren. Ich wurde zur Abwechs­lung mal gar nicht beachtet. Schön! Vielleicht bietet das Internet ja doch eine ganz gute Erzie­hung.

Ich genoss ein Paar wohltu­ende Rutsch­par­tien und beschloss, den Besuch nun zu beenden. Es bleiben also noch einige Saunen zu erkunden, die ich nicht genutzt habe.

Gezwun­ge­ner­maßen ging ich zur Endrei­ni­gung in die Damen­du­sche im Sauna­be­reich. Beim Betreten erntete ich einen angewi­derten Gesichts­aus­druck von einer schnell aus der Dusche gehenden Person. Seufz. Auch schienen wir genau den richtigen Zeitpunkt erwischt zu haben, denn ein Trupp Halbstarker in Badebe­klei­dung machte sich grunzend auf in die Anlage.

Maya mare — “eigent­lich” ganz gut

Ich bin jetzt sicher das fünfte Mal in diesem Erleb­nisbad. Auch ich verbinde damit meine Kindheit und Jugend. Als cis Mann fühle ich mich hier recht wohl und mir wird eine Kombi­na­tion aus guter Unter­hal­tung und Ruhe geboten. Beson­ders gefällt mir der große Ruheraum und der gesamte Sauna­park. Auch die Rutschen machen Spaß, da sie nicht zu überfor­dernd sind oder Verlet­zungs­ge­fahr mit sich bringen, wie etwa im Europabad Karls­ruhe. Die Preise und das Essen im Restau­rant sind top.

Cis Personen empfehle ich den Aufent­halt also auf jeden Fall. Bei queeren Wesen bin ich mir unsicher. Auf der einen Seite ist es einfach so toll hier, dass ich es befür­worten möchte, sehe aber die Toilet­ten­si­tua­tion auch als kritisch. Hier kommt es wirklich auf euch und den Wochentag eures Besuches an.

Machine Profilbild
Machine
CIS Mann / Panse­xuell / 37

Schluss­ge­danken

Preis und Leistung sind in der Anlage sehr gut, weshalb ich sie jeder cis Person empfehlen kann. Beson­ders mit Nachwuchs. In allen Berei­chen lässt sich viel Zeit verbringen und der Tag ist leicht zu füllen. Ich habe diesen Ort jedoch traurig verlassen. 

Es gibt nur wenige Möglich­keiten der Geschlech­ter­tren­nung zu entkommen. Egal ob es Umkleiden, Duschen oder Toiletten sind, ihr müsst euch einordnen. Hier ist Mensch eben doch nicht Mensch. Und das selbst im Sauna­be­reich. Einen spürbaren Schutz­raum konnte ich hier nicht empfinden und offensiv queere Menschen tauchten auch nicht in meinem Blick­feld auf. Hin und wieder habe ich mich im Sauna­be­reich angestarrt gefühlt.

Thermen-Sternchen | Halle Saale | Maya mare | nahher
09/2023 — Verwu­schelt und enttäuscht auf dem Rückweg

Die anzie­hende Sauna- und Badeland­schaft wird durch die Umkleiden und Toiletten herun­ter­ge­zogen. So sehr mein kindli­ches Herzblut auch an den Erinne­rungen hängt, muss ich hier wohl ein hartes Urteil fällen, da die sanitäre Situa­tion einfach untragbar ist.

Fazit: TL/DR

Nein, ich kann die Einrich­tung für queere Menschen nicht empfehlen. Das wunder­schöne Ambiente gleicht den binären Schmerz nicht aus. Wenn du es testen willst, dann geh an einem Wochentag außer­halb der Ferien.

Bewer­tung

Gender­feels
Bewertet mit 2 von 5
Ambiente
Bewertet mit 4 von 5
Publikum
Bewertet mit 3 von 5
Preis / Leistung
Bewertet mit 5 von 5
Entspan­nung
Bewertet mit 3 von 5
Spezi­al­an­ge­bote
Bewertet mit 4 von 5
Gesamt­ergebnis
Bewertet mit 2.9 von 5