Euskir­chen | Therme Euskir­chen | Security Samstag

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Ein abgele­genes Paradies

Im Mai 2024 machte ich mich mit Freunden auf in die Therme Euskir­chen. Diese gehört zu einer Unter­neh­mens­gruppe, deren Badepa­ra­diese mir schon durch die Thermen & Badewelt Sinsheim bekannt sind. Entschul­digt, falls ich durch die wieder­holten Besuche ins Sinsheim jetzt schon etwas abgestumpft bin und die Großar­tig­keit der Anlage nicht zu sehr hervor­hebe 😉 Seid gewiss: Schöner als diese Thermen wird es nicht mehr. Aber wir sind ja sowieso hier, um die Queer­taug­lich­keit zu bewerten!

Also lasst uns mit der Beschrei­bung loslegen. Die Therme befindet sich fast zwei Kilometer vom nächsten Bahnhof entfernt und diesen als gut angeschlossen zu bezeichnen, wäre sehr euphe­mis­tisch. Also nehmt lieber das Auto. Parkplätze sind ausrei­chend vorhanden und der Fußweg von dort aus auch recht angenehm.

Preis­lich sind wir hier ganz oben angekommen, es lohnt sich aber wirklich. Jeder Euro ist gut inves­tiert und eine Tages­karte solltet ihr euch gönnen. Darunter würde ich nicht planen. Tickets könnt ihr direkt sehr zuver­lässig online buchen, ebenso diverse Liegen und Suiten, per Online-Karte. Es ist wunder­barer Luxus.

Bereits beim Eintritt in die riesige Kuppel­halle wird klar, wie groß diese Anlage ist. Nichts wie rein.

Thermen & Badewelt Euskir­chen

Thermen­allee 1
53879 Euskir­chen
www.badewelt-euskirchen.de

Bitte achte beim Lesen darauf, dass ich hier mein persön­li­ches Erlebnis als schlanke, weiße, able-bodied, nicht-binäre, maskulin/androgyn wirkende Person mit flacher Brust und Vulva schil­dere. Es handelt sich um meine Empfin­dungen, die von deinen abwei­chen können/werden. Auch ist das Erlebnis absolut vom Wochentag, der Tages­zeit und den anwesenden Personen abhängig. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte mein Erlebnis vollkommen anders ausfallen können. Ich möchte hier meinen Eindruck vermit­teln und eine Möglich­keit des Erlebens darlegen. Take it with a grain of salt.

Die Einrich­tung

Die Umklei­de­be­reiche sind in drei Regionen aufge­teilt: Sportbad, Palmen­pa­ra­dies und Sauna­be­reich. Je nachdem, was ihr haupt­säch­lich besuchen wollt, solltet ihr euch auch einquar­tieren. Das Sportbad habe ich mir nicht angesehen, ich denke aber, dass euch die Website hier genug Auskunft geben kann. 

Mit bequemen Bändchen bestückt geht es in den riesigen Umklei­de­be­reich ganz links. Wir haben die Möglich­keit, uns in Separees umzuziehen oder das direkt vor den Spinden zu erledigen. Klar, nehmen wir den Gang 😉 Wir sind doch eh nackt und so…

Danach kommt aber leider der große Dämpfer: Um zu gewähr­leisten, dass sich geduscht wird, müssen alle Geschlechter getrennt durch einen Dusch­be­reich laufen. Ich finde das jedes Mal unnötig und unange­nehm. Ein gerader Weg durch zusätz­lich wäre schön gewesen. So muss ich jedes Mal, wenn ich zu meinem Spind will, durch eine Geschlechts­mar­kie­rung durch­wan­dern. Also: Nehmt eine Tasche mit und parkt darin alles, was ihr für den Tag braucht. Ich empfehle Ohrstöpsel, Bücher, Kissen, Decken, Snacks, Wasser und Sonnen­creme.

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05/2024 — Ich freue mich sehr auf die Therme und bin gespannt.

Wir hatten im Voraus eine der großen Muscheln auf der Empore gebucht. Noch eine Empfehlung von mir, wenn ihr einen ruhigen Rückzugsort wollt. Aber bedenkt, dass es dort erheb­lich wärmer wird. Hier wird auch sehr hart kontrol­liert, dass keine Handys benutzt werden. Sehr gut! Also lasst das in einer der video­über­wachten Boxen am Eingang.

Nachdem wir unsere sieben Sachen ausge­breitet hatten, wollte ich erstmal das Palmen­pa­ra­dies unter die Lupe nehmen. Das ist der Bereich, wo Badebe­klei­dung genutzt werden muss. In Sinsheim meide ich diesen bereits, weil er quasi eine beklei­dete Kopie des Sauna­be­reichs ist, nur naja eben unbequem und am Samstag voll mit (Klein-)Kindern.

Dieser Bereich verfügt über eine Poolbar, Sprudel­liegen, Whirl­pools, Strömungs­fluss und einen Sandstrand. Wirklich toll die Anlage. Wir drehten ein paar Runden und schauten uns um. Eigent­lich wollten wir den Erleb­nis­raum Immersive Sky austesten, aber der war trotz großer Online-Werbung, die mich erst angelockt hatte, noch gar nicht fertig­ge­stellt und benötigt jetzt eine Anmel­dung per App. Sehr komisch! Also kann ich dazu leider nichts erzählen.

Die Massagen waren leider auch schon um 10 Uhr völlig ausge­bucht. Das nächste Mal buche ich hier auch online im Voraus.

Und wie hat es sich hier nun bekleidet angefühlt? Ganz okay. Wir waren früh in diesem Bereich und nur wenige Menschen unter­wegs. Den ein oder anderen Blick habe ich abbekommen, aber nichts Negatives.

Sauna-Etikette? Was mag das sein?

Ich kann also sagen: Ihr verpasst nichts, wenn ihr das Palmen­pa­ra­dies ignoriert. Der Sauna­be­reich lag nach dem Kleidungs­wechsel nun vor uns und wir wollten die erste Sauna des Tages auswählen. Und wow, die Therme ist so riesig — verlaufen ist wirklich easy. In einer Art Rondell sind einige Saunen verbaut, die mit allerlei Düften und Acces­soires auffahren. Hier riecht es nach Kaffee, da drüben gibt es Klänge und dort lassen sich Fische beobachten. Wir entschieden zuerst in den Regen­wald zu gehen, wo wir Vögel­chen beobachten konnten. Es zwitscherte auch ordent­lich laut. Ich merkte erst dort, dass ich Vogel­ge­zwit­scher gar nicht mag und mir wünschte, dass meine Katzen eine Runde drehen. Upps — der falsche Ort für den Start 😂

Weiter ging es mit einem Ausflug an die Bar und ich genoss ein leckeres Getränk. Auffällig waren hier die Menschen: stark tätowiert, Swinger Vibes, fummelig und es wurde sehr viel Alkohol konsu­miert. Das muss ich als Kontrast zur Badewelt Sinsheim hervor­heben. Dort sind weit weniger eroti­sche Vibes durch die Gegend gesegelt. Inter­es­santer Weise betrifft das vor allem das große Lagunen­be­cken. Asexy Menschen könnten sich hier also ggf. nicht so wohl fühlen.

Beim nächsten Herum­wan­dern bemerkte ich ein queeres Paar und war recht happy über den Anblick. Wir testeten alles aus, was es noch so gab: Die großar­tige Callab­lüten-Dusche, das Relax-Becken mit Unter­was­ser­musik und auch das Sole-Becken. Einfach schön.

Ich kann nur empfehlen, euch ganz viel Ruhe und Zeit zu nehmen, um alles einmal durch­zu­wan­dern. Online gibt es auch einen guten Eindruck, was ihr dort alles erleben könnt. Ich beschränke mich mal im Weiteren auf die Gefühle zur Umgebung.

Stärkung und Verstär­kung

Mit dem Fortschreiten der Tages­zeit begaben wir uns in das Restau­rant des Sauna-Berei­ches. Die Speisen sind recht teuer, die Portionen aber auch riesig. Teilt euch am besten eine Portion. Hier wären Gramm­an­gaben wirklich hilfreich gewesen und kleine Anwei­sungen zum Thema Getränke — die nehmt ihr euch nämlich aus der Theke als Flasche. Als schnell verwirrter Mensch hätte ich mir da mehr verbale Hilfe­stel­lung gewünscht.

Auf unserer Empore wurde es mit fortschrei­tender Zeit wirklich warm und auch laut, da einige Klein­kinder in der Therme waren. Nehmt euch Ohrstöpsel mit. Und das Tolle: Ihr könnt hier wirklich nackt liegen. Kein peinlich berührtes Zudecken nötig. Schön.

Nach der Ruhepause tapsten Stahl­zwerg (cis Frau) und ich in Richtung Dampfbad. Wir mussten etwas warten, bis es nach dem Aufguss wieder nutzbar war. Das Dampfbad war mit kleinen Sitzen ausge­stattet, die alle einen kleinen Wasser­hahn zum Abspülen enthielten. Außer­halb gab es jeder­zeit grobes Salz oder Zucker für alle zum Peeling. Sehr cool!

Aber nun kommen wir leider zum unange­nehmen Teil meines Berichtes.

Wir saßen im Dampfbad und warteten mit anderen Personen darauf, dass wir nass genug geschwitzt wären, um uns mit dem Peeling einzu­rub­beln. Wie üblich rieb ich auch Stahl­zwergs Rücken ab und vice versa. 

Nach einer Weile kam eine kleine Gruppe von cis Männern herein, die sich neben eine junge Frau setzte. Einer fing an, ihr Fragen zu stellen. Ob sie öfter hier sei, was sie da zum einreiben benutzt, unange­brachtes Geplänkel. Es wurde wirklich unange­nehm und sie gab kurze Antworten. Jeder Mensch mit genug Empathie hätte aufge­hört zu fragen. Irgend­wann ertrug ich die Situa­tion nicht mehr und bin raus. Es verblieben noch einige andere Personen dort. Stahl­zwerg machte mich darauf aufmerksam, ob sie allein dort zurecht­kommen würde. Ohje, das hatte ich nicht bedacht. Ich ärgerte mich darüber. Wir blieben noch einige Zeit draußen stehen, um sicher­zu­stellen, dass es ihr gut geht.

Später stellten wir auch fest, dass unglaub­lich viel Security-Personal unter­wegs war. Das kannte ich so gar nicht. Aus keiner Therme, auch nicht aus Sinsheim. Ich kann euch diesen Ort also nur unter Vorbe­halt empfehlen. Es wird schon seinen Grund haben, wieso dieses Aufgebot an Personen nötig ist.

Schluss­ge­danken

Ich verließ die Therme mit gemischten Gefühlen. Es ist wirklich eine der schönsten Thermen ganz Deutsch­lands, aber die Menschen entscheiden wie immer alles. Es kommt auf den Tag, die Tages­zeit und die Zusam­men­stel­lung des Publi­kums an. Ich hätte nicht erwartet, dass hier cis Dudes in Gruppen auf Jagd gehen würden und bin immer noch unange­nehm berührt von den alkoho­li­sierten Menschen.

Thermensternchen | Euskirchen | Therme Euskirchen | nachher
05/2024 — Zufrieden, aber nachdenk­lich.

Kann ich euch die Therme als queere Person empfehlen? Ja, auf jeden Fall. Ihr könnt frei nackt sein und (zumin­dest außer­halb der Duschen und Toiletten) gender nonkon­form rumspringen.

Wenn ihr die Wahl habt, geht aller­dings lieber in die Badewelt Sinsheim. Die Region um Köln scheint mir etwas ungezü­gelter zu sein, als der gesit­tete baden-württem­ber­gi­sche Raum. 

Ich appel­liere hier nochmal an alle Poly- und Swinger Menschen, die mir folgen: Bitte dreht eure Körper­lich­keit in der Therme runter. Dafür gibt es spezi­elle Clubs, das hier ist keiner davon. Ihr macht uns sonst die letzten Orte von erlaubter Nackt­heit kaputt.

Fazit:
TL/DR

Ja, sanfte Empfehlung, doch es gibt Geschlechter getrennte Duschen und Toiletten. Geht auf keinen Fall allein, sondern in der Gruppe. Passt auf euch auf.

Bewer­tung

Gender­feels
Bewertet mit 3 von 5
Ambiente
Bewertet mit 5 von 5
Publikum
Bewertet mit 1 von 5
Preis / Leistung
Bewertet mit 5 von 5
Entspan­nung
Bewertet mit 3 von 5
Spezi­al­an­ge­bote
Bewertet mit 5 von 5
Gesamt­ergebnis
Bewertet mit 3.4 von 5