Du warst WO bitte?!
Wir waren für einen Workshop in Dresden und so wurde es Zeit, eine neue Sauna auszuprobieren. Dieses Mal habe ich mich für etwas explizit (höhöhö) anderes entschieden: Einen Saunaclub.
Was das ist? Ein Laden, in den du gehen kannst, um dort ein paar schöne Stunden mit anderen Menschen über 18 Jahren zu verbringen. In Saunaclubs befindet sich meistens mindestens eine Sauna oder ein Dampfbad, manchmal auch ein Pool. Hier gehst du hin, wenn du “Spaß” mit anderen haben möchtest, es gerne magst, wenn dir andere zusehen oder du anderen beim “Spielen” zusehen möchtest. Hier gilt immer das berühmte Motto: “Alles kann, nichts muss”.
Dies ist nicht mein erster Besuch in einem Saunaclub, doch solche Locations richten sich meistens an gay cis Männer. Viele Clubs haben allerdings auch Tage, an denen queere Personen und Frauen erwünscht sind. So genannte “open”, “unisex” oder “bi” Days. Für Menschen wie mich wichtig, für die Gay Szene aber wohl vielfach unangenehm. In den Socails wird viel gelästert, dass diese Safespaces für gay cis Männer verwässert werden. Also habe ich mir so einen Unisex-Tag ausgesucht, um das Paradise zu besuchen. Ich habe mich nicht getraut, einen regulären Tag zu wählen, auch wenn auf der Website zum Zeitpunkt meines Besuches noch ausdrücklich stand, dass auch trans Personen mitgemeint sind. Dieser Hinweis ist einen Monat später, als ich diesen Blog verfasse, verschwunden. Warum kann ich nicht ganz nachvollziehen.
Ich habe erst überlegt, ob ich wirklich Saunaclubs in diesen Blog inkludieren soll, da ich Thermen*Sternchen nicht ausschließlich für Erwachsene zugänglich machen will.
Da aber Saunaclubs ein wichtiger Teil vom “Gesehen-Werden” für queere Menschen sein können, gehört es für mich auch zu diesem Blog. Sollte dir das Thema allerdings unangenehm sein, dann lass diesen Blog gerne aus 🙂 Ich werde hier jedoch nichts Explizites anschneiden, was ich dort erlebt oder gesehen habe, sondern nur von meinen Gefühlen berichten.
Paradise Dresden
Friedensstraße 45
01097 Dresden
www.paradise-dresden.de
Bitte achte beim Lesen darauf, dass ich hier mein persönliches Erlebnis als schlanke, weiße, able-bodied, nicht-binäre, maskulin/androgyn wirkende Person mit flacher Brust und Vulva schildere. Es handelt sich um meine Empfindungen, die von deinen abweichen können/werden. Auch ist das Erlebnis absolut vom Wochentag, der Tageszeit und den anwesenden Personen abhängig. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte mein Erlebnis vollkommen anders ausfallen können. Ich möchte hier meinen Eindruck vermitteln und eine Möglichkeit des Erlebens darlegen. Take it with a grain of salt.
Spicy Sauna
Wenn man durch die kleine Pforte eintritt, steht man erstmal vor einer verschlossenen Tür, an der geklingelt werden muss. Weiter geht es in einen Vorraum, wo die Anmeldung gecheckt, Handtücher (gegen eine faire Gebühr) ausgegeben und die nummerierten Armbändchen verteilt werden. Wir werden sehr freundlich begrüßt und da ich an einer Massage interessiert bin, frage ich gleich mal nach. Ich werde gebeten, auf das Leuchtschild zu achten und dann einfach an der Bar nochmal zu fragen, sobald es Grün ist.
Weiter geht es zur schön gestalteten Sammelumkleide. Ich bin jetzt schon desorientiert und vermisse klare Wegweiser. Der auf der Website ausgeschriebene Dresscode weist darauf hin, dass “weniger mehr” ist. Also entscheide ich mich zuerst nur für Handtuch und Badelatschen. Das ist mir zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht ganz so angenehm, da ich meine Brust nicht gerne entblöße. Aber Regeln sind Regeln.
Wir verlassen den Umkleidebereich und machen uns auf die Suche nach der Dusche. Ich habe schon jetzt einige Probleme mit der Dunkelheit der Einrichtung und tapse meinem Mann einfach mal hinterher. Schnell geduscht beginnen wir eine Runde zu drehen und uns alles anzusehen. In ein paar Minuten erkunden wir die üblichen abschließbaren Separées, Playrooms, finden die Sauna samt Duschen und auch den Zugang zum Außenbereich, inklusive hübschem Pool. Ich sehe einige Personen in Bademänteln, so gehe ich zurück und werfe meinen dünnen Morgenmantel über, den ich mir vorsorglich mitgenommen hatte. Nun ist mir viel wohler.
Die Bar befindet sich mitten in der Location und wir denken darüber nach, erstmal etwas zu trinken. Vom Außenbereich zieht der Geruch der Raucher:innen hinein und tränkt die Luft mit Zigarettenqualm. Sehr unangenehm, aber nicht zu vermeiden. Schließlich gibt es in der queeren und sexpositiven Szene einfach noch unglaublich viele Raucher:innen. Als Clubhost und Besucher:in muss man sich damit eben abfinden, sonst wären die Clubs leer. Der Altersdurchschnitt liegt an diesem Abend bei 45+, mit einigen sehr jungen Ausnahmen. Die “üblichen” Swingerpaare und hetero(flexiblen) Soloherren waren sofort zu erkennen.
An der Bar gibt es keine direkte Anweisung, wo geordert werden soll, also stehen wir erstmal minutenlang an der Theke, ohne von der Barkraft beachtet zu werden. Machine hat das schon sehr aufgebracht und er fühlt sich direkt unwohl. Also schlage ich vor, doch erstmal einen Saunagang zu machen und danach etwas zu trinken.
Die Sauna kann mit angenehmem Abstand zueinander 10 Personen aufnehmen, auch wenn es für mich mit 6 Personen schon etwas komisch war. So wurde mir der Weg zum Ausgang durch Beine versperrt, obwohl mehr als genug Platz woanders gewesen wäre. Mit (gay) cis Männern in solchen Clubs verschwimmen die Grenzen gerne mal und die Kommunikation ist sehr reduziert. Die übliche Saunaetikette könnt ihr hier nicht erwarten.
Der Saunagang war sehr erfrischend, ebenso die Dusche unter einer schönen Duschvorrichtung danach. Am Pool draußen sitzt es sich ganz gut, so finden wir uns dort erstmal ein und unterhalten uns. Ich mag die Aufblastierchen und Deko sehr, doch der Geruch vom Raucherbereich ist leider überall. Also gehen wir wieder hinein.
Nun ergattern wir auch etwas zu trinken, da wir gesehen haben, dass man sich an einer bestimmten Stelle hin- und anstellen muss. Hier hätten mir Schilder wirklich weitergeholfen. Das Barpersonal wirkte auch unglaublich gestresst und abweisend. Sicher das Ende der Schicht, trotzdem schade.
Die Massage-Jagd
Das Massage-Schild leuchtet Grün und ich versuche mein Glück an der Bar nachzufragen. Es beginnt ein wildes hin und her, bei dem das Barpersonal herumrennt, wieder zurückkehrt, dann erst Masseur 1 ankommt, wieder geht, Verständigungsprobleme wegen unterschiedlicher Sprachen herrschen (leider spreche ich kein Spanisch/Portugiesisch), Masseur 2 schon Feierabend hat, zwischen Beiden ein komischer Augenkontakt ausgetauscht wird und ich blinzelnd dazwischen stehe. Ich bin mir bis heute nicht sicher, was genau da abgelaufen ist, aber es war sehr unangenehm. Ich empfehle euch also einen Termin auszumachen, wenn ihr sicher seid, dass ihr auch in den Club geht. Da unser Besuch nach der langen Autofahrt aber optional sein sollte, wollte ich die Massage spontan entscheiden können.
Nachdem die Masseure geklärt hatten, wer mich nun betreuen würde, setze ich mich nochmal zu meinem Mann und wartete darauf, abgeholt zu werden. Das war für mich alles reichlich komisch. Dieses Gefühl verflog jedoch sofort, als ich in den abgegrenzten Massagebereich geführt wurde. Dieser ist recht professionell aufgebaut und ich habe mich wohlgefühlt.
Bei meiner letzten professionellen Massage im Europabad Karlsruhe hatte ich festgestellt, dass ich sanfte Entspannungsmassagen gar nicht mag. Also bat ich darum, gut durchgeknetet zu werden. Die Kommunikation funktionierte mit simplem Deutsch dann recht gut und der Masseur machte seinen Job wirklich professionell. Es fiel mir leicht, mich zu entspannen und ich war im Anschluss sehr euphorisch. Ich kann es euch also nur empfehlen, hier (bzw. von diesen Masseuren) eine Massage in Anspruch zu nehmen. Ich bezahlte bar und mit reichlich Trinkgeld.
Ein Irrgarten
Auf dem Rückweg aus der Massage-Lounge verirrte ich mich zwei Mal auf der Suche nach der Bar und meinem Mann. Auch in den hinteren Bereichen wären Schilder echt hilfreich gewesen. Also fragte ich die umstehenden Personen zwei Mal, wo ich lang muss. Zum Glück war ich jetzt zu erheitert, als dass es mir peinlich gewesen wäre. Ich drehte einige Runden, fand meinen Mann aber nirgendwo.
Was ich an solchen Clubs nicht mag, ist die Traube an Single Männern, die Paare und Frauen* verfolgen. Und auch hier merkte ich, dass mir wieder einige Leute anhingen. Nachvollziehbar und doch anstrengend. Der andere Masseur sprach mich an und erkundigte sich, wie die Massage war. Mein Feedback war sehr positiv. Dann tapste ich weiter.
In einem Playroom sah ich eine Person zwischen 4 anderen, die ich für meinen Mann hielt. Ich ging also hin und merkte nur Sekunden, bevor ich ihn berührte, dass er es nicht ist. Mein kicherndes, leises “oh sorry, das ist der falsche Mann”, brachte einiges Gelächter in den Raum. Nicht dass das ein Problem gewesen wäre 😉 Aber eben auch nicht das, was ich an diesem Abend vor hatte, hehe.
Im allgemeinen hatte ich das Gefühl, dass die anwesenden Männer, die ich als schwul wahrgenommen und zugeordnet habe, nicht so happy mit den anwesenden Paaren waren. Es entstanden drei Gruppen, die unterschiedlich raumgreifend waren. Aber das kann auch nur mein Gefühl sein.
Gerade entschied ich mich, einfach auf der Couch auf ihn zu warten, da tauchte Machine auf. Er war im Dampfbad gewesen. Er meinte zu mir, dass er es mir nicht empfehlen kann. So setzten wir uns und genossen noch ein aufgebackenes Baguette von der Bar. Es war sehr lecker und der Personalwechsel brachte frischen Wind. Es tat mir fast leid, wie euphorisch und easy-going ich mich gerade fühlte, denn Machines Gefühl war nicht so gut.
Paradise Dresden — klein aber okay
Als unregelmäßiger Besucher von “solchen” Clubs, hat es mich gefreut, mal eine neue Location zu besuchen. Schön, dass der Preis angemessen ist und auch hier alles ausgeliehen werden kann. Ich kann mich vielen Statements von Kais Blog anschließen, darum begrenze ich mich meinen Beitrag auf das Wichtigste:
Alles, was man braucht, ist im Club vorhanden. Es ist liebevoll gestaltet, vielleicht etwas klein, aber absolut ausreichend. Was mich wirklich gestört hat, ist der Rauchgeruch, der sich durch die gesamte Location zieht. Ohne den hätte ich einen Stern mehr vergeben.
In Summe hatte ich meinen Spaß und habe die negative Erfahrung an der Bar längst verdrängt 😉
Schlussgedanken
Also beendeten wir den Besuch, duschten uns und fuhren in unser Hotel zurück.
In Summe kann ich sagen, dass der Besuch ohne Massage wohl weniger positiv ausgefallen wäre. Ich habe mich ständig verlaufen, der Rauchgeruch störte mich sehr und die Barsituation war sehr unangenehm. Alle anderen Angebote, wie die Sauna und der Pool, waren schon sehr schön und angemessen. Auch die Playrooms und Duschen waren sauber und ordentlich.
Als queere Person habe ich mich ein wenig als Sonderling gefühlt, aber auch nicht mehr als sonst. Es ist schließlich nicht so, als würde ich an anderen Orten mehr alternative/offene Queers antreffen. Es bleibt ein bisschen der fahle Geschmack beim Lesen vieler Rezensionen, dass die gemischten Abende schwulen Männern einen Safespace wegnehmen. Das kann ich durchaus nachvollziehen, da der Clubeintritt im Vergleich zum Paarclub wirklich sehr billig ist. Wenn es nur darum geht, die eigenen offenherzigen (hetero) Neigungen auszuleben wird der niedrige Eintrittspreis sicher oft ausgenutzt. Ich will mir nicht vorstellen, wie blöd es sich anfühlt dort als schwuler Mann abgelehnt zu werden, weil das Gegenüber hetero ist. Dieses Szenario finde ich sehr unpassend.
Ich bin also zwiegespalten, ob queere, nicht mit Penis bestückte Menschen hier richtig sind.
Eine Wertung der anderen Erwachsenensachen lasse ich hier mal außen vor 😉 Was im Club passiert, bleibt im Club.
Fazit:
TL/DR
Ja, ich kann das Paradise auch für queere Personen empfehlen. Haltet euch aber an die entsprechenden offenen Tage und respektiert den Schutzraum. Informiert euch vorher gut, wie es in Sauna- und Swingerclubs so abgeht.
