Dortmund | Revier­park Wisch­lingen | Zwischen Honig und Mansplai­ning

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Ein verwir­render Start mit wenig Klarheit

Im November 2024 machen wir uns auf den Weg zum Revier­park Wisch­lingen. Dortmund ist für uns gerade Urlaubsort mit einem Hauch Nostalgie – und am nächsten Tag steht sogar noch ein Konzert im Revier­park an. Leider konnten wir wegen Bauar­beiten nicht die deutlich beque­mere S‑Bahn nehmen, die ich euch sonst wärms­tens empfehlen würde. Statt­dessen mussten wir auf den Bus auswei­chen.

Am Revier­park angekommen, war schnell klar: Die Beschil­de­rung vor Ort lässt zu wünschen übrig. Am besten navigiert ihr direkt per Handy – oder schaut euch vorab die Karten auf der Website an. Wir irrten eine Weile über den Parkplatz, fragten schließ­lich ein Kind nach dem Weg – und fanden dann den Eingang mit dem großen Schriftzug „Solebad“. Trotzdem waren wir uns nicht sicher: Geht’s hier wirklich zur Sauna? Und ja, ich weiß – ich schreibe selten, dass ein Bad bei der Orien­tie­rung wirklich hilft. Aber in diesem Fall tat es das wirklich nicht.

Revier­park Wisch­lingen

Höfkerstr. 12
44149 Dortmund
www.wischlingen.de

Bitte achte beim Lesen darauf, dass ich hier mein persön­li­ches Erlebnis als schlanke, weiße, able-bodied, nicht-binäre, maskulin/androgyn wirkende Person mit flacher Brust und Vulva schil­dere. Es handelt sich um meine Empfin­dungen, die von deinen abwei­chen können/werden. Auch ist das Erlebnis absolut vom Wochentag, der Tages­zeit und den anwesenden Personen abhängig. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte mein Erlebnis vollkommen anders ausfallen können. Ich möchte hier meinen Eindruck vermit­teln und eine Möglich­keit des Erlebens darlegen. Take it with a grain of salt.

Alles ein bisschen wirr

Der Empfangs­be­reich teilt sich auf zur Sauna (links) und dem Schwimmbad (rechts). Wir wollten heute nur Wellness erleben, also kann ich das Schwimmbad, das Allwet­terbad, den Solebad-Bereich und das Freibad nicht beurteilen. Vielleicht schaue ich mir das ein Andermal an.

Erst ging es an die Bezah­lung. Die Eintritts­preise sind völlig wuselig gestaf­felt, muss ich zugeben. Ich weiß nicht, ob es wirklich so viele Unter­tei­lungen braucht. Wir waren aller­dings mit dem Preis einer Tages­karte und der Leihge­bühr für Handtü­cher sehr zufrieden.

Freund­lich begrüßt und mit frisch gelie­henen Handtü­chern bestückt, gingen wir in den dreieckig angeord­neten Umklei­de­be­reich. Die Armbänd­chen hier sind halbwegs okay, wenn uns auch die Chips zum Einste­cken wild durch die Gegend gerollt sind. Ich bevor­zuge wirklich Armband-Systeme, die nicht manuell funktio­nieren und geschickte Hände benötigen.

Der Umklei­de­be­reich ist im Verhältnis zur Anlage wirklich klein, was sowohl beim Aus- als auch später beim Ankleiden eine gewisse Verknäu­e­lung verur­sacht. Aber immerhin gibt es Bänke, um Sachen abzustellen.

Doppelwertig steht vor dem Eingang des Revierparks Wischlingen. Die Beschilderung ist unübersichtlich, der Bereich wirkt leicht trüb und wenig einladend.
2024/11 — Revier­park Wisch­lingen vorher — Etwas trübe

Zeit zum Ausziehen. Doch: Ich hatte es irgendwie geschafft, den Gürtel meines Sauna­man­tels zu vergessen. Nach einer kurzen Panik und Lösungs­suche, zog ich die Kordel aus meinem Rucksack. Zum Glück war diese lang genug, um meine Taille zu umschlingen. Puh, Glück gehabt. Das war mir so auch noch nicht passiert. Für die Zukunft werde ich wohl darauf immer extra ein Auge werfen.

Whirl­pool-Machos und karierte Minifliesen

Lasst uns die Erkun­dung starten. Wir hatten einen Freitag für unseren Trip vorge­sehen und trotzdem war wirklich viel los. Von der Umkleide aus gibt es im Erdge­schoss erstmal nicht so viel zu sehen. Eine Salzgrotte, ein großer Ruheraum und eine Sonnen­ter­rasse, die erste Sauna und Solarien. Wir ließen das also links liegen und gingen sofort in die untere Etage. Ich bleibe dabei, dass Rot und bunt-karierte Minifliesen eine ganz schreck­liche Kombi­na­tion sind. Wie ich ja beim Vierord­tbad ausführ­lich erläu­tert habe. So fand ich den Bereich mit Tauch­be­cken, Whirl­pool und der Honig­topf-Sauna viel zu dunkel und krusch­telig. Hier gab es aber genügend freie Duschen, um sich erstmal zu säubern.

Die tonnen­för­migen Duschen lagen genau gegen­über des Whirl­pools und einer gefliesten Sitzsäule. Ich glaube, dass ich den Whirl­pool nicht ein einziges Mal ohne einen großspurig Raum einneh­menden cis Typen gesehen habe. So haben wir a.) das Blubber­wasser nicht auspro­bieren können und wurden b.) absolut immer beim Duschen von den dort sitzenden cis Männern beobachtet. Überhaupt lag in dieser Anlage ein Gefühl von unsicheren cis Männern in der Luft. Die Zusam­men­set­zung der Personen war auch jünger als ich es gewohnt bin, mit geringem Rentner­an­teil.

Unsere Erkun­dung setzten wir im Außen­be­reich fort. Der kleine Whirl­pool hier war leider geschlossen. Also ging es zuerst in die 60° Sauna, wo ich Probleme hatte mich zu entspannen. Die unruhigen Vibes waren leider gar nicht so leicht abzustreifen. Das lag auch bestimmt daran, dass ich die Zeit immer im Blick hatte, da wir gerne am Honig­topf-Aufguss teilnehmen wollten.

Zehn Minuten vor der Zeit machten wir uns auf den Weg. Doch oh? Die gesamte Sauna war schon voll besetzt. Das war wirklich seltsam. Norma­ler­weise wartet man doch vor der Sauna, bis das Saunaper­sonal erscheint und den Aufguss eröffnet. Hier wohl nicht. Alle saßen wie die Lemminge schon vorher drin. Wirklich anstren­gend. Vielleicht sollte auch hier jede Sauna vor dem Aufguss erstmal gesperrt werden, inklu­sive Warte­schlange wie in Euskir­chen.

Der Sauna­meister bemerkte unsere Verzweif­lung und unser Gespräch. Er fragte uns sehr lieb, ob wir vielleicht gerne Honig hätten und damit ins Dampfbad gehen wollen. Wir bejahten das und freuten uns, dass “klein und niedlich sein”, eben manchmal hilfreich ist. Ganz allein tapsten wir mit dem tollen Honig-Peeling ins Dampfbad. Das war wirklich das Highlight unseres Besuches — ein 10/10 Erlebnis. Und natür­lich haben wir danach brav alles wegge­spült und die Näpfchen an der Theke abgegeben 😉

Das Duschen im Haupt­be­reich ist schon ein bisschen Show für die Herren im Whirl­pool. Ich empfehle euch daher lieber, beim Tauch­be­cken zu duschen. Auch wenn sich später dort ein älterer Herr einfach nicht verkneifen konnte, uns zu erklären, wie man richtig taucht und dass der Kopf unbedingt unter Wasser gehört. Mansplai­ning in der Sauna, auch immer schön.

Ruhe, Wasser, Lappland

Im Außen­be­reich gab es ebenfalls einen Ruheraum mit Wasser­betten-Ausstel­lung. Dort wollten wir uns gerne ausruhen. Spoiler: Hat nicht so gut geklappt, da direkt davor auch Liegen sind und ein Paar sich lautstark in feinstem Pott-Deutsch über allerlei Schnick­schnack austau­schen musste.

Also beendeten wir das Ausruhen relativ schnell und statteten dem großen Entspan­nungs­be­cken einen Besuch ab. Es ist relativ kühl, aber mega angenehm. Es erlaubt ein richtig tolles Runter­kühlen vor dem nächsten Sauna­gang. Auch hier wurden wir wieder skeptisch beäugt. Na macht nichts.

Da uns draußen die winter­liche Kühle empfing, war die heiße Dusche danach erst richtig angenehm. Zum Abschluss wollten wir noch die Lappland-Sauna testen. Hier konnte ich mich dann das erste Mal wirklich entspannen. Diese ist auch richtig groß und wir hatten sie ganz für uns. Wirklich schön.

Anschlie­ßend eine letzte Runde im Becken gedreht und wieder rein ins Haupt­haus zum Duschen. Zuerst marschierten wir hoch und wollten die Duschen bei den Umkleiden nutzen. Doch diese sind leider gegen­dert. Also wieder nach unten und die Duschen im Haupt­raum genutzt. Da dort auch Abstell­mög­lich­keiten für Dusch­gels bestehen, gehe ich davon aus, dass Scham­po­nieren erlaubt ist. Nicht wie in anderen Bädern — looking at you, Europabad. Doch auch hier ließ es sich wieder ein cis Mann nicht nehmen uns mit einer Belang­lo­sig­keit anzuspre­chen. Wirklich unnötig.

Ein Orien­tie­rungs­aben­teuer

Ich möchte euch zum Schluss noch infor­mieren, dass Kinder hier in Beglei­tung ihrer Eltern den Sauna­be­reich nutzen dürfen. Solltet ihr also vollends auf Wellness aus sein, ist das Bad nichts für euch. Auch, da die Geräu­sche der Kinder teilweise im Wellness­be­reich zu hören waren und ich im Umklei­de­be­reich am Ende ordent­lich beäugt wurde. Genauso wie die schwan­gere Person übrigens.

Die Karte der Anlage hatte ich im Voraus nicht verin­ner­licht, so haben wir den kompletten Sumatra-Bereich übersehen. In diesem findet wohl auch drei Tage die Woche eine reine Damen­s­auna statt. Nach dem Gefühl in der Haupt­halle kann ich die Nötig­keit dafür auch nachvoll­ziehen.

Die Toilet­ten­si­tua­tion kann ich leider nicht beurteilen, da wir nur einen kurzen Aufent­halt hatten und ich diese nicht benutzt habe. Ich glaube aber, dass ich im unteren Bereich mehrere Toiletten gesehen habe, die ohne Geschlechts­zu­wei­sung auskommen. Nagelt mich darauf aber bitte nicht fest. In jedem Fall sind die Toiletten kein Durch­gangs­be­reich, aber schon so zentral gelagert, dass ein Betreten nicht übersehen werden kann.

Schluss­ge­danken

Ich empfinde den Sauna­park im Revier­park Wisch­lingen nicht als Ort, wo ich mich den ganzen Tag aufhalten kann. Eine 4‑Stunden-Karte reicht also völlig aus. Auch habe ich hier wirklich viel ungewollte und unnötige Kommu­ni­ka­tion erlebt. Das wird natür­lich je nach Tag und anwesenden Menschen variieren. Für Menschen, die mit schlechtem Orien­tie­rungs­sinn oder ohne Brille navigieren müssen, finde ich das Bad auch schwierig. Es ist also gar nicht so einfach, hier eine Bewer­tung festzu­legen.

Doppelwertig steht im Außenbereich des Revierparks Wischlingen. Der Ausdruck ist gelöst, der Hintergrund ruhig und sonnig.
2024/11 — Revier­park Wisch­lingen nachher — Eigent­lich ganz entspannt

Rein von der Queer­freund­lich­keit kann ich jetzt nicht meckern, aber als Mensch finde ich das Bad vom Ambiente, der Ausstat­tung, dem Menschen­schlag und der Ausschil­de­rung wirklich nicht angenehm. Zu beachten gilt natür­lich, dass es gegen die schönsten Thermen Deutsch­lands antreten muss und sich da wirklich weit unten platziert. Nehmt meine Meinung also wie immer als sehr persön­lich hin 🙂

Fazit:
TL/DR

Ja, ich kann die Einrich­tung queeren Personen empfehlen. Aber: Sie ist nicht beson­ders entspan­nend.

Bewer­tung

Gender­feels
Bewertet mit 4 von 5
Ambiente
Bewertet mit 2 von 5
Publikum
Bewertet mit 2 von 5
Preis / Leistung
Bewertet mit 3 von 5
Entspan­nung
Bewertet mit 2 von 5
Spezi­al­an­ge­bote
Bewertet mit 1 von 5
Gesamt­ergebnis
Bewertet mit 3 von 5