Die balinesische Schlangen-Oase
Auf meinen Reisen hat es mich Anfang August 2023 wieder einmal nach Berlin verschlagen. Ich wollte die Zeit gut nutzen und beschloss, dem Vabali Berlin einen Besuch abzustatten. Kurzerhand frage ich in einer meiner FLINTA-Gruppen nach, ob mich jemand begleiten würde. Vier Personen meldeten sich bei mir und ich freute mich sehr darauf, gemeinsam einen schönen vierstündigen Besuch zu erleben. 2 Personen haben mir erlaubt, ihre Gedanken zum Vabali auch festzuhalten, so beinhaltet dieser Blog mehr als einen Gastbeitrag. Deshalb an dieser Stelle schon einmal vielen Dank an Angel und Marilyn für eure wertvollen Meinungen.
Mit Berlins großartiger Bahn-Infrastruktur angereist, lief ich das letzte Stück vom Hauptbahnhof zu Fuß. Neben der Einrichtung befindet sich auch ein anliegender Parkplatz, der sich gegen eine geringe Gebühr nutzen lässt — aber wer fährt in Berlin schon Auto 😉 Die Preise dieses Spas sind im Vergleich zu ähnlich großen Anlagen angemessen. Für den kleinen Geldbeutel aber schon eine Investition.
Als Termin hatte ich einen Sonntagabend ab 18 Uhr ausgesucht. Mir wurde geraten, unbedingt vorzureservieren, damit wir auch wirklich reinkommen. Dieser Rat stellte sich als wertvoll heraus, da ich bei meiner Ankunft eine Schlange von locker 20 Personen vorfand. Diese Personen mussten warten, bis sich andere Gäste auf den Heimweg machten.
vabali spa Berlin
Seydlitzstraße 6
10557 Berlin
www.vabali.de
Bitte achte beim Lesen darauf, dass ich hier mein persönliches Erlebnis als schlanke, weiße, able-bodied, nicht-binäre, maskulin/androgyn wirkende Person mit flacher Brust und Vulva schildere. Es handelt sich um meine Empfindungen, die von deinen abweichen können/werden. Auch ist das Erlebnis absolut vom Wochentag, der Tageszeit und den anwesenden Personen abhängig. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte mein Erlebnis vollkommen anders ausfallen können. Ich möchte hier meinen Eindruck vermitteln und eine Möglichkeit des Erlebens darlegen. Take it with a grain of salt.
Ein Ort der (Un)Ruhe
Der Eingang ins Gebäude wird (zu Spitzenzeiten?) von Security überwacht, welche draußen die Anmeldungen kontrolliert. Als wir ready waren hineinzugehen, hatte das Personal kurz Pause und wir wussten nicht, wo wir uns anstellen sollten. Da es keine Schilder zur Orientierung gab, entschlossen wir uns für die linke Schlange. Nach einer kurzen Wartezeit sprach uns ein Security-Mann an, ob wir reserviert hätten und wies uns anschließend den richtigen Weg. Hier hätte ich mir wirklich klare Schilder gewünscht, damit uns das erspart geblieben wäre, vor allem da der Security-Guy einigen meiner Begleiter:innen sehr unangenehm war.
An der richtigen Kasse angelangt, ging es darum, die Spindschlüssel zu erhalten — entweder für den Gemischten- oder den Damenbereich. Hier tauchte das zweite Unbehagen auf: Drei von uns wollten in den gemischten Bereich, weil wir alle aus dem nicht-binären Spektrum stammen, während eine Person lieber in die Damenumkleide wollte. Das stellte mich vor eine geistige Herausforderung, die ich so bisher noch nicht hatte: Eine Person zu begleiten, die sich im nahen Kontakt mit cis Männern unwohl fühlt.
Da prallten in meinem Kopf ein paar Welten aufeinander, denn es passiert mir sehr oft, dass ich cis Frauen unangenehm bin. So konnte und wollte ich auch in keinen Damenschutzraum “eindringen”. Sie entschied sich für die Damenumkleide und wir verabredeten uns vor der Bar im Obergeschoss.
Auf zur Umkleide. Die Bereiche sind sehr weitläufig und wahnsinnig dunkel. Ich hatte Mühe meine Schranknummer zu erkennen und meine schwarze Kleidung verschwand praktisch im Dunkel des Spinds. Ich bin es nicht gewöhnt, dass ein Saunapark so dunkel ist, aber das sollte sich durch die ganze Einrichtung ziehen. Für Menschen mit einer Sehbeeinträchtigung wirklich nicht zu empfehlen.
Dann mal ans Umziehen. Das moderne Armbändchen fühlte sich angenehm auf der Haut an und ich spürte es sofort nicht mehr. Aus der Umkleide herausgestapft stellte ich fest, dass die anliegenden Duschen und Toiletten geschlechtergetrennt waren. Auf der großen Karte an der Wand sah ich aber einige Sauna-Duschen, die unisex zu sein schienen. Ich vermied also die Damendusche und schaute mir erstmal die Anlage an.
Sowohl die Weitläufigkeit der Anlage als auch die Anzahl von Menschen war überwältigend. Ich schätze den Altersdurchschnitt der Gäste auf Ende zwanzig, was einen krassen Unterschied zu den Thermen des Südens ausmacht. Dementsprechend laut und unruhig war es auch. In dem Wirrwarr aus Körpern konnte ich die unterschiedlichsten Formen ausmachen: Von tätowiert, über gemachte Brüsten bis hin zu großen Kurven war alles in wenig beschämter Nacktheit dabei.
Den Ausblick genießend
Nachdem wir uns wiedergefunden hatten, drehten wir eine Runde durch den gesamten Innenbereich. Ich war von der Orientierung her noch sehr verloren, wollte aber gerne mit dem Saunieren beginnen. Ich merkte jetzt schon, wie schwierig es ist, den Wünschen und Bedürfnissen einer kleinen Gruppe gerecht zu werden. Für uns nicht-binäre Wesen war die Panorama-Sauna der erste Testort. Die Duschen direkt daneben nutzte ich genussvoll für den lang ersehnten Wasserkontakt im Halbdunkel. Es wäre durchaus möglich gewesen, sich hier auch zu shampoonieren, wenn ich auch glaube, dass es nicht unbedingt so gedacht ist. Geschlechter getrennte Duschen lassen sich also komplett vermeiden. Nur die Toiletten leider nicht. Vielleicht wäre es möglich, die im Hauptgebäude befindliche Toilette für Menschen mit Behinderung auch für trans und nicht-binäre Menschen zu öffnen und durch Symbole kenntlich zu machen? Eine leichte Möglichkeit, Inklusivität zu schaffen.
Die Panorama-Sauna und das anschließende Ausdünsten auf dem Balkon waren wirklich herrlich. Von dort aus erspähte ich den Außenpool und wollte gerne eine Runde planschen. Die Becken waren sehr kühl, selbst nach der Sauna. Also leider kein Ort, um lange zu verweilen. Gerne hätte ich auch die kleinen separaten Pools ausprobiert, aber diese wurden von äußerst sexuell fummelnden Pärchen besetzt. Und das weit über die höfliche fünfzehn Minuten Marke hinweg.
Ich verlor die anderen aus den Augen und entschloss mich, auf die Jagd nach einer neuen Sauna zu gehen. Die Meditationssauna erweckte mein Interesse, nur leider wurde sie eher für Gespräche genutzt als Stille. Nicht unbedingt angenehm, aber ich hätte sicher etwas sagen können, um die Unterhaltung zu beenden. Meine anschließende Dusche wurde von der Scham der Person neben mir getrübt, die sich beschämt den Körper zuhielt. Uff, was ein Dämpfer. Ein Teil meines Kopfes sagt zwar, dass “sie” sich vielleicht nur die Brüste zugehalten hat, weil diese zu empfindlich sind für die harten Wasserstrahlen, aber naja ihr kennt das: In meinem Kopf bin ich die Ursache und sollte lieber schnell gehen.
Eine kurze Pause
Es wurde Zeit für eine Ruhepause, die ich mir auf einem Wasserbett im oberen Bereich gönnte. Dieser Ruheraum war ebenfalls sehr liebevoll gestaltet und so begann ich die Übersichtskarte, die wir beim Eintritt bekommen hatten, zu studieren. Als Grafikdesigner muss ich allerdings den Lageplan und Flyer kritisieren: Die gewählten Schriftarten sind sehr schlecht zu lesen und es wurde nicht auf Barrierefreiheit im Kontrast geachtet. Hier würde ich mir ein klares Erscheinungsbild wünschen.
In einigen Teilen des Bades vermisste ich auch Uhren, was in mir eine gewisse Unruhe ausgelöst hat. Zur Orientierung hätte ich diese benötigt, da wir nur einen begrenzten Aufenthalt geplant hatten. So machte ich mich nach kurzer Zeit wieder auf den Weg. Auf der Suche nach einer Uhr fand ich einen Wasserspender, den ich sogleich nutzte, um meine mitgebrachte Flasche zu füllen. Schön, dass freies Trinkwasser angeboten wird.
Ich wanderte nun zum gemischten Dampfbad und fand eine Person aus meiner Gruppe wieder. Während wir warteten, dass sich das leider viel zu kleine Dampfbad leerte, stießen noch andere aus der Gruppe zu uns. So genossen wir den heißen Dampf gemeinsam. Nach einer kurzen Dusche ging es in den kühlen Innenpool, der einfach wunderschön glitzerte. Eins muss man dem Vabali lassen: Es ist einfach ein architektonisches Meisterwerk und absolut liebevoll gestaltet. In diesem Moment erlebte der Pool eine schöne queere Übernahme.
Highlights in Separees
Ein großer Schwarm von Personen verließ die anliegende Sauna nach dem Aufguss. Als Snack wurde hier Eis gereicht. Kurzerhand nutzten wir die ausgeleerte Sauna und genossen den verbleibenden Duft. Der letzte Saunagang des Tages verflog viel zu schnell. Wir beschlossen, uns in die Bar zu setzen, die sich leider als geschlossen herausstellte. Nach etwas herumlaufen entdeckten wir kleine Separees, die wie eine VIP-Lounge anmuten. Große, wandlange Vorhänge an den Seiten, raffinierte Kaffeetischchen und orientalisch angehauchte Sofas machten den Bereich anmutig und surreal. Es fühlte sich an wie in einem guten Zigarrenclub — nicht dass ich je einen besucht hätte 😉
Hier bemerkte ich zum ersten Mal, wie unsichtbar das Personal des Vabalis arbeitet. Sie fügen sich toll in die Umgebung ein und ich habe sie selten beobachtet. Ganz anders als der Baumarkt-Look des Personal vom Vierordtbad in Karlsruhe.
Nach spannenden Gesprächen wurde es Zeit zu gehen. Wir machten uns auf zu den Umkleiden und verließen das Gebäude. Ich duschte anschließend in meinem Hotelzimmer, da ich weder die Damendusche benutzen noch eine der Sauna-Duschen mit Duschgel einsauen wollte.
Cozy Queer Takeover
Ich habe das Vabali schon einmal alleine genossen und freute mich darauf, es als Gruppe queerer Menschen noch einmal zu besuchen. Es ist so ein sauberer, schöner und entspannender Ort. Bei meinem letzten Besuch fiel mir auf, dass es keine geschlechtsneutrale Toiletten-Option gab, aber da mein Besuch schon lange her war, hoffte ich, dass sich das geändert hätte. Leider war das nicht der Fall. Ich habe aber Hoffnung für die Zukunft, dass wir uns vielleicht nicht mehr so unbehaglich fühlen müssen wie jetzt.
Es war schön, als queere Gruppe so viel Platz einzunehmen und den Ort mit unserer Energie füllen zu können. Das gab mir ein Gefühl der Leichtigkeit. Die meisten anderen Leute kümmerten sich um ihre eigenen Angelegenheiten und ich interessierte mich auch nicht für sie. Es gab nur einen Fall, der mir ein wenig Sorgen bereitete. Meine Partnerin und ich ruhten beide auf einem Wasserbett, als ein Mitarbeiter vorbeikam und uns sagte, dass die Matratzen nur für eine Person gedacht seien. Ich machte mir Sorgen, dass wir abgelehnt wurden, weil wir nicht hetero sind. Aber das könnte auch nur in meinem Kopf sein. Ein Schild mit deutlicher Aufschrift „nur eine Person pro Wasserbett“ wäre hilfreich.
Alles in allem kann ich das Vabali für queere Leute empfehlen, aber bedenkt die Toiletten. Die meisten Menschen werden cis sein/erscheinen. Euer Erlebnis hängt wirklich von eurem Comfort Level ab, also denkt darüber nach, als Gruppe zu gehen.
Vabali Spa – Queer Edition
Wie aufregend, sich mit einer Gruppe von queeren Menschen in ein Wellness- mit Nacktabenteuer zu schmeißen! Ich gebe zu, der Einlassbereich und der Weg zum Wellnessbereich (ein ebenerdiger Weg überdacht, draußen, geschützt von Bambus und vielen buddhistischen Statuen und Flair) haben mich sofort an eine Reise erinnern lassen. Alleine durch das Eincheck-System, das mich sehr an Flughäfen erinnert. Um die Warteschlange draußen (wie im Club, auch mit Security) zu umgehen, ist es wirklich ratsam vorher zu reservieren. Ein leichtes VIP-Feeling machte sich breit. Das Personal war super freundlich am Empfang und hat sich ausreichend Zeit für uns genommen. Für mich sehr einladend, um mich auf den Ort einlassen zu können.
Es gibt eine Frauen* Sauna, Frauen* Umkleiden, einen großflächigen Außenbereich sowie eine Vielzahl von Ruhebereichen – alles auch Orte für eine Rückzugsmöglichkeit, wenn gewünscht.
Wir sind als Gruppe von 5 dort angekommen und haben uns gemeinsam alles angeschaut. Doch schnell wollten wir uns aufteilen, um mit Saunieren zu starten. Und so kam es, dass wir uns nach und nach immer mehr aus den Augen verloren haben und uns erst später wieder zufällig begegnet sind. Das spricht für mich für den Ort, denn ich hatte nicht den Eindruck, dass ich mich als queere Person in unangemessenen Situationen wiederfinden oder mit solchen konfrontiert werden könnte.
Auffällig ist, dass der Ort von vielen Paaren aufgesucht wird, doch hier sind hetero-Paare weitläufig vertreten. Somit fühlte ich oft auch ein gewisses Desinteresse für die Ausschau nach anderen, da sich die Paare oft gemeinsam bewegten. Doch leider nahmen die Paare auch oft die Außenwhirlpools ein, sodass ich mich als einzige Single Person und als genderqueere Person diese kuschelige Situation bewusst vermieden habe. Lustig ist, dass eine Person aus unserer Gruppe in einer Sauna noch zwei weitere queer friends getroffen hatte, was ich sehr feierte. Sich als queer gelesene Gruppe durch das Vabali Berlin zu bewegen hat mir am meisten Freude bereitet, da wir zwar zum einen aufgefallen sind, aber zum anderen ich es als standing sehr genossen habe. Ganz im Sinne von: Wir sind hier, wir sind queer!
Das Vabali Berlin kann ich aus meiner Erfahrung (als weiße queere Person) weiterempfehlen. Doch das nächste Mal würde ich gerne unter der Woche zu Nicht-Stoßzeiten dort sein, in der Hoffnung, dass sich weniger Menschen und auch weniger Paare tummeln.
Für jede Stunde an Anwesenheit vergebe ich einen Stern 😉
Schlussgedanken
Ich fand es wahnsinnig schön, komplett nackt herumspringen zu können und ebenso wie natürlich es für die meisten Gäste war nackt zu sein. Im Vergleich zu anderen Bädern mit der gleichen Personenfülle wurde ich hier sehr wenig angestarrt, wenn auch die Verwunderung einiger Personen zu sehen war.
Meine Empfehlung ist, definitiv eine Reservierung vorzunehmen und nicht abends am Wochenende dort aufzuschlagen. Dann habt ihr sicher mehr Ruhe und weniger wuselige Menschen. Weder das Restaurant noch die Massagen habe ich ausprobiert, welche auch enorm teuer sind. Es ist allerdings hervorzuheben, dass sehr viel auf der Speisekarte vegan oder vegetarisch ist.
Als queere Person habe ich mich hier nicht unbedingt zu Hause gefühlt, was aber ausschließlich am Durchschnittsalter der anwesenden Gäste und dem dazu passenden Verhalten gelegen hat. Die Saunaetikette wurde zum größten Teil eingehalten. Es scheint in Berlin insgesamt ein sehr jugendliches Interesse an Saunakultur zu geben, das im Süden nicht so vorhanden ist.
Ich glaube, es waren auch einige queere Personen außerhalb meiner Gruppe anwesend, aber sehr vereinzelt. Weit weniger auffällig als im Liquidrom. Stand August 2023 würde ich einer queeren Person trotzdem eher das Vabali empfehlen, da wir hier kein Leitsystem durchlaufen müssen und wesentlich mehr Freiheiten haben.
Fazit: TL/DR
Ja, ich kann das Vabali empfehlen. Geht aber, nur unter der Woche hin, nehmt viel Zeit mit und duscht dort, wo es euch gefällt.


