Berlin | Liquidrom | Schweben in der Haupt­stadt

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Urbanes Entspannen mitten in der City

Im Februar 2023 bin ich für eine Comedy-Show nach Berlin gereist. Da ich ein passio­nierter Sauna­gänger bin, machte ich mich auf die Suche nach einem geeig­neten Wellness-Ort. Da das Event im Tempo­drom statt­fand, fiel die Wahl sehr leicht: Das Liquidrom, welches sich auf der eigenen Website als “einzig­ar­tige urbane Spa-Lounge” bezeichnet.

Wir machten uns am Samstag­mittag per S- und U‑Bahn auf den Weg. Wenn man eins über Berlin sagen kann, dann, dass so gut wie alles mit den öffent­li­chen Verkehrs­mit­teln zu errei­chen ist. Das Gebäude war also leicht zu finden und schon außen gut bevöl­kert. Auf unserem Plan standen 4 Stunden, mit Sauna­nut­zung und einer beson­deren Massage. Preis­lich waren die Tickets auf den ersten Blick im Normal­be­reich. Nun also nichts wie rein!

Liquidrom

Möckern­straße 10
10963 Berlin
www.liquidrom-berlin.de

Bitte achte beim Lesen darauf, dass ich hier mein persön­li­ches Erlebnis als schlanke, weiße, able-bodied, nicht-binäre, maskulin/androgyn wirkende Person mit flacher Brust und Vulva schil­dere. Es handelt sich um meine Empfin­dungen, die von deinen abwei­chen können/werden. Auch ist das Erlebnis absolut vom Wochentag, der Tages­zeit und den anwesenden Personen abhängig. Zu einem anderen Zeitpunkt hätte mein Erlebnis vollkommen anders ausfallen können. Ich möchte hier meinen Eindruck vermit­teln und eine Möglich­keit des Erlebens darlegen. Take it with a grain of salt.

Eine unruhige, durch­ge­stylte Schön­heit

Gleich im Empfangs­be­reich fällt auf, wie wunderbar ästhe­tisch alles in dunklen Tönen gestaltet ist. Es zog mich in seinen Bann. So war ich auch bereit, die ewig lange Schlange, welche sich vor der einen und einzigen Kasse gebildet hatte, zu ignorieren. Wir hatten im Voraus Plätze reser­viert, so konnten wir zum Glück direkt hinein, während andere warten mussten, bis wieder Plätze frei wurden. Es musste also eine sehr kleine Einrich­tung sein. In der Schlange bemerkte ich ein Kind. Norma­ler­weise bevor­zuge ich Einrich­tungen, die sich explizit an Personen über 16 Jahren richten, um wirkliche Entspan­nung zu bieten.

Im Vornherein hatte es mich verwirrt, dass ein Maximal­auf­ent­halt von 4 Stunden vorge­sehen war. Norma­ler­weise verbringe ich gerne den ganzen Tag in einer Therme. Die Aussicht, kein “open End” zu haben, war unange­nehm. Aber immerhin gibt es ja die Option des Drauf­zah­lens.

Als wir dran waren, wurde uns kurz erklärt, was es im Liquidrom zu beachten gibt. Ich fragte mich, ob wirklich Menschen ihre Handys mit in die Therme nehmen. Seltsam. Anschlie­ßend wurden wir nach dem Alter gefragt, was ich immer wieder charmant finde, so mit Mitte 30.

Thermen-Sternchen | Berlin | Liquidrom vorher
02/2023 — Auf in’s Liquidrom

Schnell wurden uns die Zugangs­bänd­chen gereicht. Als ich diese betrach­tete, bemerkte ich unter­schied­liche Farben und weit ausein­ander liegende Nummern. Die nette Empfangs­person hatte mich also zu den Männern gesteckt. Ich entschied mich etwas zu sagen und fragte höflich, ob in der Einrich­tung eine Geschlech­ter­tren­nung vorge­nommen wird, weil dann müsste ich zu meiner Freundin mit hinein­ge­stuft werden. Auch bat ich das nächste Mal kurz nachzu­fragen, wenn eine Zuord­nung unklar ist. Ohne viel Tamtam bekam ich ein neues Armband.

Ich musste mich erstmal sammeln und mit meinen Gedanken zurück­kommen. Schon direkt am Anfang mit der Gender-Käule geschlagen zu werden, hatte ich mir nicht erhofft. Nun hieß es, durch getrennte Türen mit Geschlechts­sym­bolen doch in den selben Umklei­de­raum zu gehen. Sehr verwir­rend. Der Raum wirkte edel gestaltet und unter anderen Umständen hätte ich es sehr bewun­dert. Auch gab es in der Mitte des Raumes Kabinen mit Türen. 

Ich wollte mich offen umziehen. Ich machte das auch mit einer gewissen Schnel­lig­keit, da ich den umlie­genden, auf sehr engem Raum platzierten, Frauen* nicht unange­nehm sein wollte. Endlich nackt sein, zumin­dest kurz. Denn leider herrscht im größten Bereich des Spas Beklei­dungs­pflicht. Ich zwängte mich also in meinen Bikini, auch wenn ich genauso eine Badehose hätte tragen können, dank der Mastek­tomie. Aber für eines von beiden muss ich mich ja gesell­schaft­lich entscheiden. 

Der Umklei­de­raum wird durch geschlechts­ge­trennte Duschen verlassen. Hier gab es keine Möglich­keit, die Dusche zu verschließen, für mich nicht relevant, aber sicher für andere Personen. Also schnell geduscht und den Innen­be­reich erkundet. Auch hier war es archi­tek­to­nisch wunder­schön in seiner Klarheit und den Farbtönen. Nur in Sachen Wegweiser waren wir sehr verloren und wussten nicht so recht wohin, womit und was wo zu finden war. 

Wir tapsten also erstmal verwirrt umher, auf der Suche nach dem großen Schwe­be­be­cken. Dabei kamen wir am Sauna­be­reich vorbei, der nicht blick­ge­schützt vom beklei­deten Bereich getrennt war. Tatsäch­lich konnte man von der Liege­wiese wunderbar die nackt saunie­renden oder badenden Menschen beobachten. Sehr wunder­lich, wenn auch nicht schlimm für mich. Wie üblich wurde ich eher angestarrt, wenn ich in Badebe­klei­dung unter­wegs war im Vergleich zu nackt. 

Der Außen­be­reich sah sehr einla­dend aus, mit seinem warmen Außen­pool. Nur den Raucher­be­reich, von wo aus man in den Pool aschen konnte, fand ich nicht so angenehm. Aber wir waren ja auf der Suche nach dem großen Schwe­be­be­cken…

Gemischte Gefühle

Als wir das große Becken gefunden hatten, planschten und schwebten wir ein wenig in der Dunkel­heit umher. Das dämmrige Licht war sehr angenehm. Leider wurde die groß ausge­schrie­bene Schwei­ge­pflicht hier nicht einge­halten und alles unter­hielt sich in gemischter Lautstärke. Unter den vielen schwe­benden Menschen fielen mir gleich ein paar Personen auf, die von anderen bewegt wurden. Das musste Watsu sein – die Wasser­mas­sage, die wir uns auch gebucht hatten. Sie fand also inmitten von so vielen Menschen statt? Hmm. Ich war gespannt. 

Auch sah ich hier viele Personen, die eng umschlungen kuschelten. Auch (in meiner Wahrneh­mung) gleich­ge­schlecht­lich. Es waren also auch queere Personen anwesend. Das freute mich sehr. 

Lange wollte ich jedoch nicht im Wasser verweilen, da auch unser Termin näher rückte. So machten wir uns auf, die Saunen zu testen. Also erstmal wieder zurück in den Umklei­de­raum, um die nasse Badebe­klei­dung loszu­werden. Es stand schließ­lich groß ausge­schrieben, dass der textil­freie Bereich nur nackt zu betreten sei. Logisch. Endlich konnte ich nackt sein. Badebe­klei­dung ist lästig und ich verstehe nicht, warum nicht die gesamte Therme eine Nackt­heits­pflicht mit Bademantel hat. 

Durch den Sensor gelangten wir in den Bereich und sahen dort Boxen – wir hätten uns also dort umziehen können. Gut zu wissen. Wir fanden schnell eine kleine Sauna mit niedriger Tempe­ratur für den Anfang. Ich startete den Versuch zu entspannen. Es war so lange angenehm, bis sich alle paar Minuten Menschen hinein und hinaus bewegten, wodurch die Tempe­ratur immer wieder entwich. Von außen war leider durch Milch­glas nicht zu sehen, wie viele Plätze noch frei waren. Auch hatten kaum Personen Badeschuhe an, die ja immer vor der Tür liegend ersicht­lich machen, wie gefüllt eine Sauna ist, was die Sache zusätz­lich erschwerte. Wirkliche Entspan­nung konnte also nicht aufkommen.

Wir hatten noch Zeit bis zur Watsu-Massage, testeten also noch eine zweite Sauna aus. In der Panorama Sauna gab es einen schönen Ausblick. Leider wurde dann die Sauna-Etikette in Punkto Abstand das erste Mal mit Füßen getreten, weswegen wir bald genug hatten und auch diesen Ort verließen. 

Es war sicher dem Samstag zu verdanken, dass die Besucher:innen im Durch­schnitt um die 30 Jahre gewesen sein dürften und eher Schwimmbad- als Sauna-Knigge pflegten. Deswegen bevor­zuge ich norma­ler­weise Sauna­be­suche unter der Woche in Kur-Thermen. Dort sind eher Rentner anzutreffen, ein Publikum, in dem ich mich wohler fühle. 

So teilten wir uns geschwind die eine warme Dusche im Sauna­be­reich und machten uns wieder auf die nassen Badekla­motten anzuziehen. Leider ist die Watsu-Massage nur bekleidet möglich.

Die Rettung: Watsu

Wir warteten in bequemen Sesseln auf die Watsu-Personen. Auf der Website klang die Massage sehr spannend und ich freute mich richtig darauf. Unsere Masseur:innen fragten uns, ob wir die Erklä­rung in Englisch durch­führen könnten – but of course! Es gab ein sehr angenehmes Vorge­spräch, in dem uns die Technik ein bisschen erklärt wurde und Tabuzonen, Schmerz­zonen und Dinge, die wir nicht tun möchten, durch­ge­gangen wurden. Sehr profes­sio­nell und einfühlsam.

Wir waren offen für alles und auch wer uns berühren würde. Ich fragte, ob ich mein Oberteil ausziehen dürfte. Dank der Mastek­tomie waren da ja eh keine Brüste mehr und das Oberteil hätte mich einfach nur einge­schränkt. Es wurde bejaht und ich war sehr glück­lich.

Ich hatte die Chance, von einem sehr erfah­renen Massage-Thera­peuten behan­delt zu werden und entspannte mich schnell. Im Wasser bewegt zu werden war ein einma­liges Gefühl. Es ist wie ein freies Schweben, aber gleich­zeitig gehalten und umsorgt. Die Entschei­dung, mein Oberteil auszu­ziehen, war sehr gut: ich fühlte mich absolut frei und fragte mich, wie meine helle Haut wohl in dem tollen blauen Licht leuchten musste. Die Menschen und das Gebrabbel um mich herum nahm ich gar nicht mehr wahr. Es zählte nur noch der Moment und dieses behag­liche Gefühl.

Queer-Tipp

Solltest du ein Trauma mit cis Männern haben könnte Watsu dir helfen einen Teil deiner Ängste abzubauen. Ich habe mich absolut gehalten und wohl gefühlt. Wenn du in einem Schutz­raum gerne einmal deine Grenzen erwei­tern möchtest, indem du Berüh­rung eines cis Manns zulässt, ist das hier ein guter Raum. 

Wir hatten unser Watsu als Paar gebucht. So wurden wir während des Prozesses auch verbunden und konnten gemeinsam schweben. Es war toll, meine beste Freundin zu halten, ihr Sicher­heit zu geben und gemeinsam mit ihr durch das Wasser zu gleiten. Unsere beson­dere Verbin­dung wurde dadurch absolut berei­chert.

Die 65 Minuten gingen sehr schnell um und wir trafen uns zu einem kleinen Nachge­spräch. Es ist toll, wie gut für uns gesorgt wurde. Wir unter­hielten uns noch etwas bei einem leckeren Tee.

Anschlie­ßend war ich platt und wollte gerne den Besuch beenden, da es mir in der Einrich­tung generell zu unruhig war. Also überre­dete ich meine Freundin zu gehen. Schade eigent­lich. 

Schön, ungewohnt, heraus­for­dernd. Das Liquidrom in Berlin.

Das Design ist mir bereits im Eingangs­be­reich positiv aufge­fallen, wurde aber von einer Unruhe übertönt, die sich durch den Großteil des Aufent­halts durch­ge­zogen hat. Mir ist direkt negativ aufge­fallen, dass Kai an der Kasse einen Moment verwirrt angesehen und dann ungefragt einem Geschlecht zugeordnet wurde. In der Umkleide und der Sauna habe ich mich unwohl und gedrängt gefühlt.

Das änderte sich aber beim Watsu enorm, hier wurden wir sanft empfangen, aufge­nommen, durchs Wasser getragen und am Ende entspannt verab­schiedet. Auf Bedürf­nisse und Körper­ei­gen­schaften wurde indivi­duell einge­gangen.

Klare Empfehlung für das Watsu! Nur fürs Saunieren empfehle ich Ruhesu­chenden alter­na­tive Möglich­keiten.

Rabe icon
Rabe
cis Frau / Panse­xuell / 32

Schluss­ge­danken

Ich verließ das Liquidrom mit dem Wissen, dass ich Watsu auf jeden Fall nochmal erleben möchte, ich aber alles andere nicht erneut brauche. Der Blogtext spiegelt meine Unruhe sehr gut wider. Und egal wie oft ich versucht habe, die Sätze fließender zu gestalten, es war mir nicht möglich. Das Liquidrom ist kein Ort für mich – jeden­falls nicht an einem Samstag Nachmittag. 

Thermen-Sternchen | Berlin | Liquidrom danach
02/2023 — Müde nach dem Salzwas­ser­plan­schen im Liquidrom

Fazit: TL/DR

Nein, ich kann die Einrich­tung als queere Person weder für die Saunen noch für ihre Pools empfehlen. Es ist auch sehr geschlechts­ge­trennt. Das große ABER ist das Watsu: Macht das auf jeden Fall, es ist der Hammer. Dafür lohnt sich der Eintritt.

Bewer­tung

Gender­feels
Bewertet mit 2 von 5
Ambiente
Bewertet mit 2 von 5
Publikum
Bewertet mit 2 von 5
Preis / Leistung
Bewertet mit 2 von 5
Entspan­nung
Bewertet mit 1 von 5
Spezi­al­an­ge­bote
Bewertet mit 5 von 5
Gesamt­ergebnis
Bewertet mit 2.2 von 5